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Was für Zufall: Der US-Skiläufer Scott Macartney stürzte in Kitz so spektakulär, dass ich für ein erstes Interview nach dem Crash bis nach Park City, Utah, reiste. Park City, im Jänner? Erraten! Mein assignment passierte zeitgleich mit dem “Sundance Film Festival”, Robert Redfords 1978 gegründeter, einstiger großer Indie-Show der internationalen Movieszene. Deshalb verwandelt sich der idyllische Promi-Schiort, so etwas wie das Kitzbühel Amerikas, in der tief verschneiten “Wasatch”-Bergkette auf 2.100 Meter Seehöhe hoch oben im Mormonen-Staat jährlich in ein Ground Zero der Filmindustrie. TriBeCa oder Hollywood in dünner Bergluft!

sundance
Sturm auf die Restaurants im Salzmatsch!

Zumindest teilweise: Im lokalen Starbucks, auch anderswo die populärste Laptop-Parkfläche des Landes, brechen fast Gerangel um Tische, und – noch wichtiger! – Steckdosen aus. Fast sieht der Laden aus wie ein Apple-Store. Junge Filmemacher schmieden Pläne, wie sie Drehbücher oder Film-Pitches an die durch die historische Wild-West-Architektur laufenden Produzenten bringen können. Andere zeigen sich gegenseitig Filmclipps (nur ich tippe an einem Schifahrer-Interview und komme mit recht unglamourös vor). Spürbar ist ein Hauch vom anfänglichen Geist des Festivals, das als Gegenpol, als Mekka jugendlicher Kreativität außerhalb der gut geölten Hollywood-Studios, konzipiert worden war.

Doch das war einmal: Sundance ist heuer eher berühmt für die Invasion von 50.000 Adabeis in den bloß 8.000 Einwohner zählenden Ort, dem Paradieren der Hollywood-Stars durch den Salzmatsch, fette Hummers mit Zigarre rauchenden Produzenten-Prolos – und heuer sogar auch noch Massengegähne in den Kinos durch eine Liste unaufregender Filme, wie die NYT meckerte.

Am Abend gesellen sich zu den Filmfan-Horden auch noch die normale Ski-Urlaubsmassen, die dann alle in der Ausgehmeile der “Main Street” gemeinsam nach Drinks und Nahrung zu suchen scheinen. Kein leichtes Unterfangen: Die meisten Restaurants sind mit Privatparties ausgebucht, vor dem Rest bilden sich Warteschlangen bei recht unwirtlichen – 12 º C.

Und viele sind wohl enttäuscht, dass sie doch keine neuen Aufnahmen des Superterroristen Osama Bin Laden vorgeführt bekamen: Doku-Filmer Morgan Spurlock (“Supersize me”) hatte als cleveren Promotion-Trick das Gerücht streuen lassen, er habe in seinem neuen cineastischen Jagdausflug, Titel: “Where in the World is Bin Laden?”, den “Heiligen Gral” gefunden. “Witzige Doku”, erzählt mir ein Filmfan, als ich in einem lokalen Brauerei-Pub doch noch was Essbares aufstelle: “Aber keine Spur von Bin Laden…” Das sind die Tricks, die sich die Filmkids im Starbucks abschauen können.

P.S.: Apropos 2.100 Meter: Erst jetzt bei den Zusatzrecherchen zu diesem Blog bekomme ich mit, wie hochgelegen das Ressort eigentlich ist – und warum ich so leicht außer Atem geriet…