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Ob die Oscars heuer überhaupt stattfinden, steht wegen dem Autorenstreik noch in den Sternen. Who cares? Das Kodak Theatre in Hollywood, Tatort der sonst jährlichen Robenparade und Orgien an belanglosem Palaver, wird heuer tatsächlich zum Schauplatz von etwas historischem, wichtigem: Da sitzt CNNs Wolf Blitzer vor dem Gebäude, die bepalmte Hügelkette im Hintergrund, ein Headset am Kopf fast so groß wie das der Football coaches. Im Hintergrund brüllen tausende Fans. Heute wird Geschichte geschrieben, hält der sonst recht besonnene Wolf mit Superlativen nicht hinter dem Berg: „Eine Frau und ein Afroamerikaner in der Schlacht um die Nominierung für den Kampf ums White House“. Hillary Clinton vs. Barack Obama. Und nach John Edwards´ Exit nur die beiden alleine – das politische Pendant des „Thrilla in Manilla“ zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier.

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Duell des Jahres: Hillary und Obama Sekunden vor der großen Debatte…

„Now Playing: Hillary vs. Obama At Kodak“, plärrt der Drudge Report. Es ist der letzte Tag eines bereits unüberbietbar spannenden ersten Monats dieses Superwahljahres 2008: Obamas „Kennedy Moment“ in Iowa, Hillarys Panik, Tränen und Comeback in New Hampshire, Bills mieses Ausspielen der Rassenkarte, Obamas Revanche in South Carolina samt umjubelter Aufnahme in den Kennedy-Clan. Dabei war das erst der Auftakt, die Aufwärmrunde, das taktische Vorgeplänkel: In fünf Tagen geht es am Super-, Tsunami- oder Typhoon-Tuesday, wie sich die Medien überschlagen, um die Hälfte der Delegierten: Hillary führt in den meisten Umfragen. Doch Obama holt auf: Stunden vor der vielleicht entscheidenden Debatte zeigte ihn Gallup nur mehr 4 % hinter Hillary US-weit, ein Bounce von 11 % in nur einer Woche.

Eine neue Obama-Mail landet in meiner Inbox: $32 Millionen sammelte er allein im Jänner, mehr als in den Rekordquartalen 2007. Obamamania lässt die Kasse klingeln. Apropos: Am Schwarzmarkt erreichen Tickets für die Kodak-Arena Preise von mehreren hundert Dollar. Hollywood-Stars tanzten an (nicht ganz so viele wie bei den Oscars freilich). Die Debatte zweier Politiker wird zum hottest ticket in town, dort wo sonst eher Britneys regelmäßige Klappsmühlentrips die Leute rund um die watercooler beschäftigen. Auch sonst sorgt das schrille Duell für täglich neue Merkwürdigkeiten: Da kürt das National Journal Charismabombe Obama zum „liberalsten Senator“. Und Stunden später empfiehlt ihn Rupert Murdochs rechtes Kampfblatt New York Post zur Wahl… Hillary kauft eine ganze Stunde (!) Werbezeit am „Hallmark Channel“, dem housewives central im TV, am Vorabend des Riesenwahltages – und lässt die Aufzeichnung eines Townhall Meetings auf die Seherinnen los. Frauen-Power! Sie könnten sie bis ins Oval Office tragen.

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Plakatgerangel vor dem Theater…

Die Szene vor dem Theater wird zum gewohnten Theater: Da ist ein Elvis, ein Fan im Braunbären-Kostüm, ein Trommler, die üblichen Klappbetten für Profi-Schlangensteher. Fans rangeln um das effektivste Plakatwacheln hinter den TV-Kameras. „Das wird ein Moment, der einem das Genick brechen kann“, heizen die talking heads im CNN-Studio die Stimmung an: Jedes Missgeschickt kann das ganze Wochenende über seziert werden. Gut, dass beide jetzt nicht CNN sehen. Das Duell startet mit warmen Tönen, und dem üblichen Kampagnen-Slogans: Obama, der Mann des Wandels, verspricht eine neue Ära, die erfahrene Hillary ist ready on day one. Erinnert soll auch werden, dass es gegen Bush und die Republikaner geht: Besonders nach dem Gepöbel der letzten Debatte, wo Hil und Bam mit Monty Python´s Parodie The Life of Brian verglichen wurden, wo sich zwei Palästinensergruppen gegenseitig bekämpfen anstatt gegen die römischen Besatzer zu rebellieren.

Das Resultat der zivilisierten Kompetenzparade: Beide wirken so versiert, schlagfertig, charismatisch, bewandert, intelligent und leidenschaftlich, dass kaum jemand rund um den Globus darauf warten kann, Bush & Co Good Bye zu winken. Doch wer von den beiden? Die Debatte des Jahres hat die Entscheidung nicht wirklich erleichtert. Es ist wie es ist: Charisma versus Erfahrung, Cheerleader versus CEO. Und es ist natürlich auch eine Generationenfrage: Jugendliche Hoffnung gegen gesetzte Pragmatik. Es darf weiter gehofft werden, dass doch beide als „Dreamteam“ antreten – in welcher Reihenfolge auch immer.