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„Obamamania“ ist gleichzeitig Fluch und Segen für den Demokraten-Senkrechtstarter. Der Medien-Hype, die umjubelte Aufnahme des Jungsenators aus Illinois in den legendären Kennedy-Clan, die berührende Huldigung von Kaliforniens First Lady Maria Shriver („Obama ist wie Kalifornien!„), das coole, starbeladene Video „Yes We Can“ von „Black Eyed Peas“-Rapper will.i.am (was prompt zum Riesenhit auf YouTube wurde), Scarlett Johanssons „Verlobung mit Barack“, Sir Clooneys, im gewohnt vertrauenseinflößenden Basston vorgetragenen Lobpreisungen: All das machte Obamas Kampagne zur Bewegung, sorgte für Rekordbeteiligungen bei den Vorwahlen, für eine Welle an Euphorie in den nach sieben Jahren Bush-Horror äußerst politverdrossenem Amerika – und für einen unfassbaren Spendenfluss von 32 Millionen Dollar allein im Jänner (Hillary wurde deshalb prompt gezwungen, eigene Millionen in den Wahlkampf zu pumpen, um bei Baracks Werbegroßoffensive halbwegs mithalten zu können).

Doch Obama wird auch zum Opfer des historischen Hypes um seine Kandidatur: Hätte noch im Dezember (ja, kaum zu glauben angesichts des fesselnden Vorwahlkrimis: Das ist nur ein wenig mehr als ein Monat her…) jemand vorhergesagt, Obama würde am Super Tuesday 13 Staaten gewinnen, mit 49,8 % zu 50,2 % der totalen Stimmen Hillary ein Remis abringen und laut MSNBC sogar danach bei den „gewählten Delegierten“ mit 838 zu 834 leicht führen, wäre er mit Britney in einem Klappsmühlenzimmer gelandet. Hillary lag damals mit oft 30 % in den nationalen Umfragen „uneinholbar“ voran. So jedenfalls die talking heads, jene heuer so konstant und gravierend danebenhauenden Polit-Schlaumeier, die viel zu viel Sendezeit in den Kabelkanälen mit ihren oft unsinnigen Prognosen füllen. Dem zwar charismatischen, doch als damals ungetesteten, unerfahrenen und überhaupt fürs Oval Office zu jung aussehenden „Obambi“ waren gerade mal ein paar Überraschungssiege zugetraut worden, Iowa etwa, oder im „Schwarzenstaat“ South Carolina.

Doch Obama generierte wie in New Hampshire in den Tagen vor dem Super Tuesday einen derart gewaltigen Hype in den Medien, dass wieder ein kompletter Hillary-KO-Schlag erwartet wurde. Die gleichen talking heads, die Obama einst unterschätzten, kündigten nun eine Tsunami an Triumphen an. Dazu gesellte sich eine Serie falscher polls, mitunter in wahrlich faszinierenden Dimensionen: „Zogby/Reuters“ sah etwa Obama am Wahltag in Kalifornien mit 13 % voran, den er dann mit 10 % verlor (damit hauten die Meinungs-„Forschungs“-Genies gleich um 26 % daneben). Deshalb konnte Hillary dann auch das „Unentschieden“ als ihren Erfolg „spinnen“.

Sich relaxed zurücklehnend und die Trends langfristiger als 24 Stunden zu beobachten, ergibt sich jedoch ein anderes Bild: Je länger das Rennen dauert, desto stärker wird Obama. Und sollte er Hillary in den nächsten Primaries am Samstag und Dienstag überholen, stellt sich für sie die Frage, wie sie, mit abebbendem Spendenfluss, immer neue Comebacks hinlegen will. Obama hingegen muss weiter Wähler überzeugen, dass er wirklich das Zeug zum Präsidenten Nr. 44 hat. Denn trotz aller Visionen hatten bisher viele in der Wahlurne letztendlich Angst vor ihrer eigenen Courage: Wähler, die sich im letzten Moment entschieden, stimmten mehrheitlich für Hillary.