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Es ist wie Groundhog Day: Sonntag früh, ich tippe wieder hektisch letzte Updates und Superlativen in den Computer. Hillary vs. Obama, 30 Wahlen sind geschlagen, nichts entschieden. Und dann läutet wie im Kultstreifen mit Bill Murray wieder der Wecker – und alles geht von vorne los. So spannend das auch ist: Ich selbstdiagnostiziere leichte Erschöpfungserscheinungen. Und die nur vom Beobachten und Beschreiben. Wie müssen sich erst die Kandidaten und ihre Familien fühlen?

yaffa
Max und Mia in Yaffa’s: Komplimente von den Bar-Hoppers

Wir jedenfalls machen uns fertig für eine Brunch-Break: Ein kompletter Themenwechsel ist auch dabei nicht möglich, da ich einen Kollegen vom Schweizer Blick treffe, der zwei Wochen vor Ort den Vorwahl-Thriller coverte. Bei der angeregten Debatte (er hält zu Hillary, ich zu Obama!) schaut mich Maxwell wieder recht entnervt an. Für ihn könnten die Wahlen nicht früh genug zu Ende sein: Daddy würde dann wohl ein bisschen weniger wild in die Tasten hauen und nicht den ganzen Clan nerven. „Obama, Obama, Obama, Obama…“, schüttelt er wieder den Kopf. Das einzige, was ihn in diesem Wahlkampf begeisterte, war eine Youtube-Persiflage, wo Obama in einen „Bollywood-Star“ verwandelt worden war.

Am Heimweg werden wir von der jener Kaltfront überrascht, über deren Verbleib ich mich schon den ganzen Tag wunderte: Plötzlich bricht ein wildes Schneegestöber los, die Straßenschilder wackeln bedrohlich. Grund genug zur Sorge: Mit der generell schleissigen Qualität der New York Infrastruktur wurden schon bei geringeren Lüftchen Teile des Big-Apple-Inventars zu Geschossen. Wir flüchten ins Lokal Yaffa’s, eine kuriose Oase im von Yuppies längst übernommenen Tribeca (Durchschnittsfamilien-Einkommen/Jahr: Über 300.000 Dollar). Yaffa’s, eingebettet zwischen den sündteuren Eisstempeln entlang der Greenwich Street, gehört einer schrulligen Ex-Hippie-Dame, die mit baumelndem, wuchtigen Schmuck aus den 70igern gerne durch ihr kleines Reich stolziert (irgendwie sieht Yaffa’s mit den kitschigen Kristall-Luster aus wie sie selbst…). Und wahrscheinlich klopfen jeden Tag drei Makler an die Türe mit lukrativen Kaufangeboten, um den letzten Hort des Widerstandes gegen die Malibuisierung Tribecas gleichzuschalten.

Wir wettern den Sturm aus: Mit der düsteren Beleuchtung, den Holzwänden und zugigen Fenstern fühlt es sich an wie in einer Schihütte. Als würde gleich der nächste die Schischuhe in der Türe zusammenschlagen, um den Schnee abzuklopfen. An der Bar wärmen ein paar Nachtschwärmer ihren Hangover des New Yorker Saturday Night Fevers auf. Estee und ich werden ein wenig nostalgisch. Das waren noch Zeiten, „B.M.“, wie wir sagen, „Before Max“. Nun, die Dinge sind wie sie sind: Die Kids an der Bar beginnen sich in Max und Mia zu verlieben. Mia wird herumgereicht, Max mit Fragen überhäuft. Nicht dass es neuer Beweise bedurfte: Aber New York ist der kinderfreundlichste Ort der Welt! Nirgendwo habe ich eine derart natürliche Euphorie über Kinder erlebt: Sei es von Pensionisten, die einem Komplimente zuflüstern, Afroamerikanerinnen, die schrill losplärren „What a cute Baby!“ oder eben verkaterten Bar-Hoppers.

Das Schneegestöber lässt ein wenig nach: Bei + 4 º C haben wir Yaffa’s betreten, jetzt hat es – 2 º C. Als wir zu Hause ankommen bereits – 4 º C. Dabei hat Maxwell am Freitag sein letztes Paar Handschuhe im Schulbus verloren. Wie immer: Kids haben ein Talent für gutes Timing! Und er die Chance, die Konsequenzen seiner Aktionen auszubaden.