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Es muss nicht leicht sein, während jener vier Tage Fröhlichkeit und Durchhalteparolen zu verbreiten, wenn dein Kontrahent acht Vorwahlen gewinnt – und du keine einzige. Hillarys Pressstab versuchte es mit der Kraft der Verzweiflung: Ein faszinierendes Protokoll an politischem Spin, Zwangsoptimismus und verschärften, teils fast kindischen Attacken. Fast wie die Gallier in Asterix, die nicht wissen, wo Alesia liegt, der Ort ihrer Niederlage gegen die Römer, wirken die Emails. Und es ist ein Vorgeschmack auf eine kommende, mögliche Schlammschlacht zwischen Hil und Bam. Auszüge:

# Freitag, 8. 2. (ein Tag vor Louisiana, Washington State und Nebraska):
45.000 neue Spender hätten in weniger als 48 Stunden 6,4 Millionen Dollar geschickt. Das ist Good News angesichts einer Kampagne, in die Hillary gerade fünf eigene einzahlen hatte müssen. Ex-Obama-Fan Whoopi Goldberg erklärt in der Hausfrauen-Show „The View“, dass sie für Hillary stimmte. Take that, Barack! Dazu habe Hillary, so ein Recap des Vortages, „donnernden Applaus“ bei einem Wahlkampfstopp in Virginia erhalten. Und Gatte Bill in Maine „Energie“ gespürt.

HillMemo
To Interested Parties: Hillary standfestere Kandidatin…

# Samstag, 9. 2. (Primary in Louisiana, Caucauses in Washington und Nebraska):
Hillary, so wird angekündigt, wird Montag abends am DC-Lokalkanal „Channel 8“ zu sehen sein, nachdem (Feigling!) Obama eine Debatte abgesagt hatte (dass 30 Minuten Hillary-Interview auch 30 Obama-Minuten folgen werden, bleibt unerwähnt – die Seher werden es aber sicher überreißen). Dann kommt die Bombe: Hillary würde 73 Delegiertenstimmen aus Michigan erhalten! Wer sagt das? Die Demokratische Partei von Michigan. Problem: Die wurden von der Parteizentrale boykottiert, da sie ihre Primaries „unerlaubt“ vorverlegten. Stand der Dinge: Die Delegiertenstimmen zählen nicht. Es stand dort auch nur Hillary am Stimmzettel. Doch in tristen Zeiten wie diesen zählt jeder Sieg, auch ein ungültiger. Dazu habe der Fire Marshall in Spokane, WA, „hunderte“ bei einem Hillary-Event abweisen müssen. Gatte Bill pries Hillary inzwischen als „nimmermüde Unterstützerin des sturmgebeutelten Louisiana“. Die Wahllokale schließen in wenigen Stunden: Camp Hillary zitiert aus einem durchgesickerten Obama-Strategie-Memo, wonach ihr Kontrahent „große Siege“ in den drei Staaten erwarte. Außerdem habe er um 300.000 Dollar mehr an TV-Spots ausgegeben. Senkung der Erwartungshaltung heißt die Strategie. Natürlich hätte Camp Hillary wohl gerne Obamas Sorgen…

# Sonntag, 10. 2. (Obama hat 3 Siege in der Tasche, der Caucus in Maine folgt):
Kein Trübsinn in Camp Hillary: Sie tritt am Abend auf CBSs 60 Minutes auf. $10 Mio wurden seit Super Tuesday gesammelt, die Lokalzeitung in Easton, Maryland, hat Hillary endorst, 2.000 lauschten in Maine gebannt ihrer Botschaft, wonach sie „ready am Tag Eins im Oval Office sei“. Obama? Drei Siege gestern? All die Headlines in allen großen Tageszeitungen? Vielleicht kommt noch eine Mail. Hier ist sie: 25 Super-Delegierte in DC, Virginia und Maryland haben sich für Hillary ausgesprochen. Wenigstens kann sie die Parteifunktionäre noch überzeugen.

# Montag, 11. 2. (Obama hat auch Maine gewonnen):
Eine Menge, „größer als erwartet“, grüßte Hillary in Bowie, Maryland, sendet Hillary aus. Wer weiß, wie viele erwartet wurden? In der GM-Transmission-Fabrik in White Marsh, Maryland, will Hillary ihre „grüne Job-Revolution“ präsentieren. Über das sollten die Zeitungen schreiben und die talking heads reden! Typisch Presse! Mark Penn, Hillarys überbezahlter Top-Stratege, enthüllt das nächste seiner weitsichtigen Memos: Hillary wäre die geeignetere Kandidatin, argumentiert er auf 1,5 Seiten, da sie in der republikanischen Dreckschleuder-Maschinerie nicht untergehen werde wie der „unerprobte Obama“. Was für ein optimistisches, hoffnungsfrohes Argument. Die alten Taktiken, Schubladen, Strategien. Kein Wunder, dass immer mehr hoffen, Obama könnte mit „politics as usual“ Schluss machen. So naiv das auch erscheinen mag. Endlich ein Durchbruch: Obama und Hillary würden übereinstimmen, so eine neue Mail, dass Super-Delegierte für jenen Kandidaten stimmen sollen, den sie als „am stärksten für die Partei“ empfinden. Wohlgemerkt: Nicht für jenen, der die meisten Stimmen erhielt. Wann Obama seinem eigenen Untergang in derart deutlicher Form zugestimmt haben soll, bleibt mysteriös. Oder wurden Dinge gar aus dem Zusammenhang gerissen?

# Dienstag 12. 2. (Tag der „Potomac“-Primaries in D.C., Maryland und Virginia):
Jemand hat Hillary einen Scheck über $25 geschickt, erfahren hunderte Reporter rund um die Welt: Die Frau schickte ihn, obwohl ihr Mann seit 6 Monaten arbeitslos ist. Es sei nicht viel, aber „es kommt vom Herzen“. Offenbar gibt es keine großen Zahlen an der Geldfront zu vermelden. In Charlottesville skandierten dafür Studenten, jawohl Stundenten!, „H, I! H, I! H, I, L, L, A, R, Y! Hillary! (Clap, Clap, Clap) Our nominee!“ Yes we can too, will.i.am! Obama behaupte währendessen in einer Radiowerbung, enthüllt Hillarys Fact Check, unter seinem Gesundheitsplan würden alle versichert sein – obwohl, wie Hillary & Co exklusiv errechnet hatten, 15 Millionen leer ausgehen würden. Hillary bedenkt ihre Spender (und offenbar auch Reporter) mit einem elektronischen Hillary-Fotoalbum.

# Mittwoch 13. 2. (Obama ist mit seinem Hat-trick endgültig Frontrunner):
Hillaryland will dem strahlenden Sieger prompt die Morgenlaune vermiesen: Das „Momentum“, jener Schwung, über den er sich so freue, wäre eine „illusorische Taktik“ in dem Demokraten-Thriller, wird WaPOs Dan Balz zitiert. Besser ist dann wohl: Weniger gewählte Delegierte, gefeuerte Wahlkampfmanager, Geldengpässe und ein gewaltiger Abwärtssog. Solange man die Partei-Apparatschiks im Rücken hat, jedenfalls! Oder weiter auf „ungültige Primaries“ hoffen kann. Freudig wird berichtet, dass Julian Bond, Boss der Schwarzen-Organisation NAACP, die Zulassung der Florida- und Michigan-Delegierten fordert. Und der Recap von gestern: 12.000 hätten in El Paso, TX, „gerufen“ und Hillary „energisch begrüßt“. Und Chelsea hat 5 Stopps in Wisconsin absolviert. Und Obama? Der ist ein übler copycat: In seinem neuen Wirtschaftsplan hätte er Hillarys Ideen kopiert, wird gemeckert. Mark Penn müht sich mit bereits beeindruckender mathematischer Akrobatik ab, wie Hillary am Ende durch Siege in Texas, Ohio und Pennsylvania ein Comeback hinlegen wird.