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Amerika hat den Funk. New Yorks Bürgermeister bezeichnete die USA als „Drittweltland„. Sicher ein Debüt für einen US-Politiker, obwohl ja einwendbar wäre, dass er als Stadtchef ein paar Chancen hätte, die Metropole ein wenig weniger Drittwelt-mäßig zu gestalten… Damit nicht genug: Im ultimativen Patrioten-Medium, der New York Post, die 2003 Franzosen und Deutsche noch als feige Wiesel am Cover verhöhnte, wird offen diskutiert, ob Shop- und Restaurant-Besitzer Euro-Bargeld annehmen sollen.

PageSix
New York Post Page Six Magazine: Euros?

Stolze Amis, die im eigenen Land Bargeld des angeblich so maroden, sozialistischen Europas annehmen? Bushs Legacy, an der er so fieberhaft bastelt, nimmt Konturen an. Nun ist das ganze natürlich noch mehr eine witzige Mediengeschichte, als ernstzunehmender Trend: Ich selbst hatte kürzlich ein paar Restaurantbesitzer interviewt, ob sie Euros akzeptieren würden. Jason Henning, Besitzer des East-Village-Restaurants „The E.U.“, schaffte es in die brustgeschwelte deutsche Presse, da er seine Gäste mit Euros bezahlen lässt. Gedacht war die Aktion eher, da viele seiner Stammgäste oft nach Europa reisten und so ihr übrig gebliebenes Geld loswerden konnten, erzählte er mir. Das die früher verächtlich als „Eurotrash“ verunglimpften, heute jedoch wegen ihrer starken Währung als Traumkonsumenten gehuldigten Besucher des alten Kontinents es supercool finden, mit Euros in New York zu bezahlen, dämmerte ihm erst später.

Henning
Restaurant-Besitzer Jason Henning: „Supercool…“

Es geht natürlich eher um psychologisches als ökonomisches. So nach dem Motto: Take that, arrogante Yankees! Der gerade beim Zoll durch präpotente Grenzer sekkierte, fingerabgedruckte und fotografierte Tourist erlebt ein spontanes Hochgefühl, in Amerikas Finanzkapitale seine Geldscheine in Landeswährung auf die Theke zu knallen. Genau, wie es sonst in Hawaiihemden gehüllte, Zigarre-kauende Großmäuler aus der guten „U-S-and-A“ in der Dritten Welt so gerne tun (abseits ihrer eigenen, muss man heute – nach Bloomberg – wohl sagen…). Der ganze Bargeldkrieg ist natürlich kein rasend gutes Geschäft: Denn trotz aller Euphorie über den globalen Siegeszug des starken Euros (und US-Rapper, die in Musik-Videos mit Euro-Scheinen herumwacheln!) behandelten New Yorker Banker die stolze Währung bis vor kurzem noch eher wie Kaurimuscheln. Doch auch hier scheint ein Umdenken im Gang zu sein: Laut einen kurzem Telefonat mit meiner JP Morgan Chase-Filiale wären Euro zur Rate von 1,39 zum Dollar zu tauschen. Das ist zwar nicht so gut wie die offiziellen 1,46, aber bereits weit besser als früher.

Und die Geschäfte, die allerorten im Big Apple ihre „Euro Accepted“-Tafeln aufhängen? Die tauschen überhaupt zum symbolischen 1 : 1. Wie gesagt: Es geht ums Gefühl!