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Es war so einer dieser Momente: Ich hatte meine Update-Mail mit dem letzten Obama-Blow-Out in Wisconsin nach Wien geschickt, den Computer runtergefahren. Im Bett liegt die kleine Mia, sechsmonatig, wie immer ausgestreckt, schlummernd, zufrieden und vor allem prominent in der Matratzenmitte. Im TV lief Obamas Siegesrede – wie all unser TV-„Entertainment“ auf mute! Zu sehen sind seine energischen Handbewegungen, die hervorquellende Ader auf der Schläfe, wenn er in seinen rhetorischen Symphonien zum Fortissimo ansetzt, das relaxete Lächeln, wenn die Masse mit ihren „Change We Can Believe In!“-Tafeln frenetisch wachelt.

Seit Monaten schreibe ich über Obama jeden Tag, den Thriller gegen Hillary Clinton, die Momente, wo er schon fast wie der Triumphator aussah, um im letzten Moment doch noch von der kämpfenden NY-Senatorin eingeholt zu werden. In New Hampshire ewta. Oder am Super Tuesday. Doch diesmal schien plötzlich alles anderes, der Gedanke nicht mehr komplett absurd: Obama könnte Hillary tatsächlich schlagen! Und dann McCain! Und als US-Präsident Nr. 44 ins Oval Office einziehen! BARACK HUSSEIN OBAMA? Sein Nachnahme wie der einer japanischen Stadt (die sich gerade über zusätzliche Touristeneinnahmen freut) und frappant ähnlich klingend wie der des 9/11-Mastermind und Amerikas aktuellem Staatsfeind Nr. 1? Sein Mittelname wie der von Amerikas früherem Staatsfeind Nr. 1? Und auch sein Vorname recht anders klingend als George, Bill, Jimmy, Harold, Richard oder John? Geboren in Hawaii, aufgewachsen in Indonesien, mit einer DNA aus Kansas und Kenia? Und das alles ohne Familienvermögen oder Connections einer Polit-Dynastie?

Ich starre abwechseln auf den TV-Schirm und die schlafende Mia: Mia Alexa Bauernebel, New Yorkerin, Eurasierin! Vielleicht lernt sie Laufen, Reden, Verkleiden spielen, Lesen, Schreiben – mit Obama als Präsidenten! Vielleicht erzählt Bruder Maxwell Zen Bauernebel einmal von seinen Kindheitserinnerungen in New York – und diesen charismatischen Präsidenten, über den alle so aufgeregt redeten damals. Obama verkörpert ihr Amerika, das neue Amerika, nicht jenes der ersten Einwanderungswellen Weißer aus Italien, Irland oder Germany. Jenes Amerika, dass längst in New York, Kalifornien – und sogar Texas Realität ist.

Obama ist mixed, er ging in Jakarta in die Volkschule, im Multikulti-Hawaii auf die Uni, seine Halbschwester ist Euraiserin! Er ist ein Bürger dieser Erde, nicht nur der guten alten U-S-and-A. Er sieht Dinge wohl lockerer und relaxter, als durch die Brillen von Hurrapatrioten oder auch der strengen alten Bürgerrechtler-Garde á la Jesse Jackson und dem nervigen Al Sharpton. Meine Kids Max und Mia werden sich später im Leben auch nicht lange Aufhalten mit Gedanken über ihr gemischtes heritage, das eine natürliche Selbstverständlichkeit für sie sein wird.

Vielleicht tut sich auch deshalb Camp Hillary so schwer mit Obama: Gatte Bill wollte ihn mit Jackson-Vergleichen zum Black Candidate machen, ein zwar erfrischender Wohlfühlkandidat („Schaut wie weit die Schwarzen in Amerika schon kommen!“), doch letztendlich chancenlos. Es sind die alten Schubladen, ausgediente Klischees, geschlagenen Schlachten.

HuffPost
„Huffington Post“: Fading Hillary…

Und vielleicht wird auch McCain von dieser Tsunami des neuen Amerika, vor allem von der neuen Millennial Generation hinweggespült: Fast sieht er aus wie einer der Gründerväter höchstpersönlich. Und er verkörpert perfekt das alte Establishment der Supermacht – und der „Grand Old White Party„, wie sich NY-Times-Starkolumnist Frank Rich bereits mokkiert. Die Millennial Generation (geboren zwischen 1980 und 2000) ist laut zweier Autoren die größte in der US-Geschichte – und 40 % von ihnen sind Afroamerikaner, Latinos, Asiaten, oder gemischt. Viele von ihnen haben ihren politischen Messias gefunden – und Hillary und McCain werden am Ende wohl nicht einmal richtig kapieren, was gerade über sie drüber rollte.