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Sechs Monate sind vergangen, als Estee und ich im Kreissaal des NYU Downtown-Spitals zuerst relaxed „Zoolander“ am Computer schauten, während wir auf die Geburtseinleitung warteten. Stunden später war Mia da, verschrumpelt, violett, aber gesund. Ich bin mir nicht sicher, ob die 183 Tage schnell oder langsam vergangen sind. Für Mia war es jedenfalls eine Ewigkeit: Sie ist mehr als doppelt so schwer, 13 Zentimeter länger. Sie sitzt vergnügt in ihrer bunten Spielwiese, trommelt energisch mit ihrem Manhattan Whozit (seit Sex and the City ein Kult-Babyspielzeug…) auf den Boden, sagt „Agooo!“ und „oh yeeeah“, oder so ähnlich. Bruder Maxwell, der sich meist rührend um sie kümmert (auch wenn uns das Herz stehen bleibt, wenn er sie plötzlich durch die Wohnung schleppt…), hört mit seiner kindlichen Phantasie schon viel komplexere Wortschöpfungen: „Help“, hätte sie etwa gesagt, ruft er dann plötzlich aufgeregt. Oder: „Velociraptor!“ Ha, ha, Maxwell!

MiaHalfb
Mia-Bell

Mias Haare stehen immer noch wegen offenbar eigenwilliger DNA-Einträge zu Berge. Und es werden täglich mehr davon. Mitunter kämmen wir den punkigen Irokesenschopf mit Hilfe beträchtlicher Wassermengen flach – und wundern uns, wie sie eigentlich wirklich aussieht. Mia ist ein happy baby: Sie strahlt, wenn sie frühmorgens die Stampfgeräusche des herannahenden Maxwells hört; sie reißt ihre kurzen Arme freudig in die Höhe, wenn Daddy (schwer verliebt, by the way, und sich bewusst, dass ihn seine Tochter fortan in alle Ewigkeit elegant um den Finger wickeln wird…) sie aus der Krippe hebt; sie steckt vergnügt ihre Zehen in den Mund; grinst beim Frühstück quer über den Esstisch mit breiverkrustetem Gesicht. Mia-bell nenne ich sie inzwischen…

Und wenn ich sie bei outings am Baby-Björn hängen habe, formieren sich spontan verzückte Menschentrauben. New York liebt seine Babies! Offenbar versucht sie auch, unser hektisches Leben – wo Büro-, Privat- und Familienleben in einem oft Reality-TV-reifen, kreativ-chaotischen Alltag verschmelzen – nicht unnötig zu erschweren. Sie weint nur bei würdigen Anlässen: Müde! Hungrig! Hose voll! Und auch dann nur kurz. 90 % unserer elterlichen Anstrengungen gelten nach wie vor „Big Brother“ Maxwell, der uns als röhrender T-Rex oftmals pro Tag an den Rand von Nervenzusammenbrüchen führt und die Kindergarten-Führung vor bisher unbekannte Herausforderungen.

Dennoch: Der draußen tobende Schneesturm illustriert, dass wir alle reif für wärmere Zeiten sind. Estee hat sie gerade für das Blog-Foto in ein Sommerkleid gesteckt: In weiteren sechs Monaten könnte sie damit durch die saftigen Wiesen laufen, umweht von der warmen Meerbrise. Dann feiert sie ihren ersten, echten Birthday!