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Die Buchkette Barnes & Noble ist in den USA eine Institution, wie Starbucks (das beide meist im Tandem auftreten, ist deshalb auch kein Zufall). Das jüngste New Yorker Flagship-Store hat nun in Tribeca eröffnet – und wird vor allem vom Kids gestürmt. Warum? Location, location, location: Der in einem gigantischen Luxus-Condo-Komplex untergebrachte Riesenladen liegt inmitten des Ground Zero von Manhattans faszinierendem Babyboom, dazu eingebettet zwischen zwei öffentlichen Schulen, PS 234 und PS 89. Und Barnes & Noble hat offenbar die Strategie entwickelt, Konsumenten in Ruhe und die Läden so uneingeschränkt wie möglich nutzen zu lassen.

MaxwellBarnes
Maxwell und Dino-Band

Das Resultat sind Highschool-Kids, die relaxed am Boden zwischen den Regalen alles von Cartoons bis Quantenphysik verschlingen. Und vor allem eine kids area, die mehr einem Day Care Center (Kinderkrippe) als der Verkaufsfläche eines profitorientierten Unternehmens gleicht. Maxwell fühlte sich bei der ersten Inspektion – bereist sichtlich gelangweilt in den Kindergarten-Ferien mit seinen genervten, arbeitenden Eltern als Dauer-Kompagnions – gleich sehr wohl: Er stöberte die Regale mit den Dino-Bildbände durch, blätterte fasziniert eines nach dem anderen durch. Er war wohl nicht der erste: Die Bücher gleichen bereits weit mehr Bibliotheks- als Verkaufsexemplaren.

Rund um ihn spielt eine andere Kindergruppe fangen. Ein paar bitzelnde Toddler liegen daneben am Boden. Die “Nanny-Brigade” – die, anders als Scarlett Johansson in den “Nanny Diaries„, zum Großteil aus Jamaica stammt und durch offensichtliche Sehnsucht nach ihrem Heimatklima mitunter mäßig gelaunt die Tribeca-Kids großzieht (sorry, beaufsichtigt…) – hat eine Fläche so groß wie ein Manhattan-Studio-Apartment in einen Stroller-Parkplatz verwandelt.

Stroller
Stroller-Parkplatz bei Barnes & Noble

Faszinierend: Ich habe keine Ahnung, wo die Plafonds etwa Wiener Buchhändler im Umgang mit tollenden Kids legen. Doch der neue Tribeca-Barnes & Noble ist fast eine Sehenswürdigkeit in Sachen einer neuen corporate tolerance gegenüber Konsumenten. Die Taktik scheint aufzugehen: Ähnlich wie Starbucks, der – in diesem Fall exakt wie ein Wiener Kaffeehaus! – seine Kunden auch nicht binnen Minuten aus dem Laden jagend will und sie mit Breitband-Internet sogar zum dort Arbeiten ermutigt, ist auch Barnes & Nobel zum urbanen Wohnzimmer geworden, wo Kids überwintern und ihre Eltern in Magazinen oder den letzten Bestsellers schmöckern können (oder Daddy beim Starbucks am Ende der Halle Emails verschicken…). Und am Ende wird ja doch gekauft – offenbar mehr als in einer strengen, sterilen Atmosphäre.

Amüsiert musste ich jedoch nur dran denken, dass unter den Angestellten ein Dienst in der Kinderabteilung als betriebsinterner Gulag gelten muss: Eine Verkäuferin wirkte bereits etwas erschöpft, als sie die verstreuten und oft bereits deutlich ramponierten Bücher wieder ins Regal schlichtete. Ihre Job Description: Sisyphus!