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Jet Blue war cool. Der Inbegriff einer neuen aviatischen Ära, ein Hoffnungsstrahl, dass sogar die verstaubte Flugbranche zu Revolutionärem fähig ist: Die Flieger alle brandneu, blaue Tupfen an der Heckflosse, drinnen Ledersessel mit Live-TV-Schirmen, blaue Chips als Snacks, die Tickets exklusiv via peppiger Website mit ein paar Maus-Klicks spottbillig erstanden. Am Touchscreen des Bordkarten-Druckers in den Terminalgebäuden steht “Howdy”. Und umbuchen? Kein Problem: Die freundlichen Soccer Mums in Utah, die alle von Zuhause arbeiten durften und dementsprechend happy waren, meisterten alle Herausforderungen neuer Reiseziele und -daten. Oft war das neue Ticket sogar billiger als die neue, die moderaten 50 Bucks Umbuchungsgebühr eingerechnet.

JetBlue
„Container-Terminal“ Long Beach: Howdy!

Estee und ich liebten Jet Blue: Wir düsten mit Baby- und Toddler-Max nach Florida, Kalifornien, wo immer uns die getupften Flieger trugen. Auf jetblue-freien Routen realisierten wir, wie grindig die sogenannten Legacy Airlines, die maroden Saurier der Flugbranche, sind. Delta, United, US Air, American Airlines. Yuck.

Doch genauso erstaunlich wie der anfängliche, raketenartige Erfolg ist nun rückblickend auch das Tempo, mit dem Jet Blue selbst zum bürokratischen Monster wurde – zur schlimmeren Legacy Airline als die Originale. Den ersten Vorgeschmack erhielt ich im Herbst 2006, als ich einen Flug für uns drei um einen Tag verschieben wollte: Da kosten die neuen Tickets plötzlich $400 mehr, pro Stück. Weil ich im “nächsten Tag” eine Änderung will: Wäre es der gleiche, würden nur die Umbuchungsspesen anfallen!? Es ist bereits 23:30. Ich warte bis Mitternacht. Und bin prompt nicht der einzige: Die anvisierte Maschine ist ausgebucht. 20 Sekunden nach 00:00 Uhr. Ich checke neue Verbindungen. Die Mums in Utah sind immer noch freundlich, aber ihre Hände gebunden durch ein offenbar byzantinisches Regelwerk. Jet Blue sollte Red Tape heißen, schäume ich bereits. Es ist 0:30 Uhr. Der Reservierungszentralcomputer geht 30 Minuten für die tägliche Instandhaltung offline. IT-Routine. Ich bin in einer Kafka-Verfilmung. Ich kämpfe mich zum supervisor, der Aufsichtsperson, durch. Und ich bin inzwischen auch nicht mehr aufmüpfig. Mehr flehend. Es ist nach 1 Uhr. Sie findet doch einen leistbaren Rückflug für uns.

Monate später sollte die ganze Nation erfahren, was aus Jet Blue geworden war: Während eines Schneesturm saßen hunderte in ihren Flugzeugen vor den gesperrten Rollbahnen am NY-Airport JFK fest. Bis zu 11 Stunden lang. Die coole Airline erlebte den kompletten System-Meltdown. Tage später irrten immer noch Jet-Blue-Kunden durch die Flughafenhallen, um endlich ihre Reise fortsetzen zu können.

Ich boykottierte Jet Blue. Kein “Howdy” am Touchscreen. Never. Bis vergangenes Wochenende jedenfalls, als beim Last-Minute-Buchen die Blauen die einzigen Direktflüge anboten. Und wie wars? Am JFK hatte die Fluglinie ein Provisorium wie ein Trailer Park errichtet, da gerade Terminal 5 umgebaut wird. An der anderen Küste schwebte der Jet ein im nächsten Trailer-Flughafen. Die Blechkisten als Terminals waren damals aufgestellt worden, da Jet Blues Erfolg die Kapazitäten des Provinzflughafens in Long Beach nahe L.A. sprengte. Das war vor acht Jahren. Doch wen störts, wenn die Tickets billig sind? Doch Moment! Der Trip kostete $808. Ein Menge Geld für eine Reise zwischen zwei “Katrina”-Terminals. Sonst war alles o.k., die Flüge pünktlich, die Chips blue. Umbuchen musste ich nicht.

In diesen Horror stolperte ich ein paar Tage später: Ich verbrachte mit dem freundlichen Reservierungsagenten des Internetreisebüros “Travelocity.com” in Bangalore fast so viel Zeit wie der Flug zwischen Fort Lauderdale und NY dauert – und die Umbuchung kostete 75 % des originalen Flugpreises. Either way, we are …