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Wir haben uns lange gewundert, was das größte Talent der berühmtesten Politikerin der Erde sein könnte. Nach acht Jahren als First Lady, sieben im Senat und 15 Monaten Primarieskrieg ist es endlich offensichtlich: Marathon-Wahlkämpferin! Während Obama erschöpft und heiligenscheinlos bereist seine eigenen Kids in die Schlacht um die Kandidaten-Krönung der Dems werfen muss, wird Hillary mit jedem Tag der längsten Primaries-Odyssee der jüngeren US-Geschichte agiler. Besonders seit sie ihre politische Produktnische gefunden hat: Fürsprecherin verbitterter Hackler in ökonomisch besonders deprimierenden Provinzregionen! Sie kippt Schnapps, sauft Bier, donnert mit Pickup-Trucks herum, fordert billigen Sprit durch das Aussetzen der Benzinsteuer (und kanzelt gleich alle Experten, die ihre Ideen als unsinnigen, puren Polit-Populismus abtun, als elitäre Elfenbeintürmler ab).

Das rhetorische Feuerwerk der – durch den sich seit Monaten an schlaflosen Nächten ansammelnden Adrenalinstau – immer quirligeren Hillary gilt aber auch Regionen außerhalb Indianas und North Carolinas, dem Ground Zero des neuerlichen Super Tuesday. Dem Iran stellte sie die „Auslöschung“ in Aussicht, dem Ölkartell OPEC die „Zerschlagung“. Ihr Hyperaktivität soll wohl auch über das lästige, an ihrem enthusiastischen Wirken nagenden Detail hinwegtäuschen, dass sie die Vorwahlen mathematisch gesehen eigentlich längst verloren hat. Zumindest jenen Teil, der an den Urnen entschieden wurde. Den US-Medien gefällt jedoch plötzlich wieder die Story des nimmermüden „Comeback Kid“. Kein Wunder, dass sich die Dems-Parteiführung über ein destruktives Duell den Sommer über bis nach Denver sorgt: Deshalb wollen viele „Supers“ die Qual abkürzen und unterstützten zuletzt Obama. Mit 258 zu 273 kam er bereits bis an 15 an Hillary heran.