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Wie oft beschrieben, ist nicht alles Hightech im Land des Silicon Valley, Steve Jobs und Larry Page. Im Gegenteil. Der Großteil technischer Gebrauchsgegenstände ist laut, energiefressend, schlicht annoying. Meine brummenden, sausenden und dröhnenden Mini-Reaktoren zum Heizen und Kühlen habe ich schon beschrieben. Hinzu kommen Kühlschrank, Klospülungen, Luftbefeuchter. Und Brandmelder! Das sicher sehr sinnvolle und mitunter lebensrettende Utensil in der Form einer kleinen fliegenden Untertasse hat gleichzeitig die Lizenz zum Psychoterror!

Dass er so laut und durchdringend piepst, sodass es einem die Zahnplomben rausvibriert und sich Mias Babygeschrei vergleichsweise wie ein Symphoniker-Konzert anhört, ist ja noch begreif- und ertragbar. Dass er blechern “Fire! Fire!” plärrt, auch. Kein “HAL” jedenfalls, Mr. Melder. Dass er das alles selbst bei leicht angebruzzelten Spiegeleiern tut, ebenfalls. Immerhin soll das Ding ja die beglückwünschendstwertesten Tiefschläfer vor lodernden Flammeninfernos retten.

Doch mein persönliches Drama begann, als dem Ding die Batterie ausging. Um drei Uhr früh schoss ich hoch aus dem Bett: Jemand ist im Apartment! Jemand brüllt: “Low Battery!” Moment… Das folgende, durchdringende Piepsen erleichtert mich. Gerade wollte ich in der Küche nach langen Messern kramen. Es ist kein Einbrecher, sondern der f-ing Brandmelder! Der wird sich schon beruhigen, denke ich mir schlaftrunken. Und tatsächlich, die weiteren Tage beschwert er sich meistens nur ein- oder zweimal über seinen niedrigen Alkalistand. Klar, das Austauschen der Batterien stand auf irgendeiner To-Do-Liste. Jedoch nicht ganz oben. Ein schwerer Fehler.

Der Terror begann um 2:05 Uhr. Low Battery! Pieps! 10 Minuten später: Low Battery! Pieps! Ich versuche, es zu ignorieren. Wird sich schon beruhigen. Shut up, Mr. Alarm. Geh schlafen! Mitnichten: Das Gerät ist es leid, weiter auf neuen Saft zu warten. Um 3:10 Uhr schreite ich zur Tat. Ich nehme das Ding von der Wand. Es piepst weiter. Ich denke fälschlich, dass der Ton vielleicht aus der Wandbuchse kommt und reiße wütend an dem Kabelstrang. Es zischt und krächzt, Funken fliegen und meine Hände sind angeschmort. Und bluten. Das Brandmeldermassaker auf 21 West Street. Piep! Es ist das Gerät! Ich überlege kurz: Draufspringen? Aus dem Fenster schmeißen? In Salzsäure auflösen? Alles zu teuer, die Hausverwaltung wird sicher Schadenersatz fordern. Ich trage es schließlich mit Boxers spärlich bekleidet und blutenden Händen in den Mistraum am Gang – hole es in der Früh und bringe es später zur Gebäudelobby zum Batterientausch. Ich will wissen, ob jemand einen dieser Plastik-Bin-Ladens tatsächlich in einem Wutanfall schon zerstört hatte. Das nicht, sagt Mrs. Consierge “Floh”: Aber einer hat mal die Notrufnummer 911 gewählt, da er an einen Einbruch dachte…

Natürlich haben wir zwei dieser Geräte: Sinnvollerweise sind sie in einem Abstand von 2,5 Meter innerhalb unsere Wohnung montiert. Erraten! “Low Battery!” “Piep!” Es ist 4:45 Uhr. Brandmelder Nr. 2 raubt mir noch mehr Stunden Schlaf. Doch ich habe erheblich mehr Ehrfurcht vor der blinkenden Plastikscheibe. Batterien-Tausch. First thing in the morning.