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Viel Urlaub haben sie ja bekanntlich nicht die Amerikaner. Deshalb brechen sich millionenfach bei jedem langem Wochenende auf, stauen achtspurig zu Beaches, Bergen oder Nationalparks, jetten zu Verwandten, zuckeln mit ihren antiquierten Zugverbindungen durchs Land. „Memorial Day„, dem Tag an dem die Amis den Sommer beginnen (und ihrer Kriegstoten gedenken…), ist einer dieser Megafeiertage. Doch seit hier an den Zapfsäulen so viel bezahlt wird wie in Europa vor ein paar Jahren, ist natürlich alles anders: Stundenlang strahlten TV-Sender rührende Testimonials frustrierter SUV-Fahrer aus, die verfügbaren Cash in Tankfüllungen fließen lassen, anstatt ihre Familie zu einem romantischen Dinner bei „Applebee’s“ auszuführen. CNN hatte sogar ein zusätzliches Fenster am Schirm eingerichtet, das den Durchschnitts-Spritpreis von 3,82/Gallone zeigte (dramaturgisch recht unaufregend, da sich die Zahl – anders wie etwa bei wilden Dow-Hochschaubahnfahrten – den ganzen Tag nicht änderte). Herzzerreißend auch die Kommentare, wie sehr die Gas Crisis die feiertäglichen Reisepläne durcheinanderwirbelte. Kurz: Eher ein paar Würstel auf den Grill im Garten hinter dem Haus als spektakuläre Spiralwasserrutschen in Disneyland.


Mia genießt Picknick im Wagner Park: Kurze Memorial-Day-Reise…

In New York wurde aufgeregt berichtet, dass die nach einem langem Winter und kühlen Frühling recht sonnenhungrigen Applenites wieder die lokalen Beaches entdecken – statt sich in den Sanddünen-Strandparadiesen der Hamptons neben Promis in der Sonne zu räkeln. Prompt hatte der Wettergott Mitleid: Während die Betuchten am Ostzipfel Long Islands durch eine steife Brise über den noch saukalten Atlantik bei 18 º C fröstelten, bruzzelten die Have-Nots an den „Blue Color“-City-Beaches von Coney Island in Brooklyn oder dem „Orchard Beach“ in der Bronx bei Kaiserwetter mit 26 º C.

Und wir? Wir haben das Glück, in Gehweite zu einem der idyllischsten Plätze Manhattans zu leben. Und so schleppten wir Reisetaschen voller Getränke und Speisen zum Picknick mit Freunden in den Wagner Park, einer Wiese am Südzipfel Manhattans – mit spektakulärem Ausblick auf die glitzernde Meeresbucht, in die Hudson- und East-River müden. Ermutigend ist auch, dass immer mehr New Yorker das kindische Alkoholtrinkverbot durch massenhaften, zivilen Ungehorsam praktisch ad absurdum führen. Ich bin ja noch etwas paranoid, seit ich letzten Sommer mitansehen hatte müssen, wie einer der Park Sheriffs einem gut 60-Jährigen Touristen aus Australien, der eine Foster-Dose schlürfte, ein $200-Ticket aufbrummte. Am Sonntag glich jedoch jede zweite Picknick-Runde einem fröhlichen Saufgelage. Und wenn unsere Freundin Ali feierlich die Sektkorken knallen lässt, dass es über den halben New Yorker Hafen hallt, gehe ich immer leicht in Deckung. Aber, was können wir dafür. In Rezession-Zeiten wird geraten, Cash zu bewahren: Lieber ein wenig Bammel vor den Cops als $9 für ein Weinglas im Brunch-Restaurant zu blechen.