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Für Robert Zubrin müssen es die aufregendsten Tage seines Lebens sein. Zubrin, ein leidenschaftlicher Ingenieur, ist als Chef der „Mars Society“ einer der fanatischsten Propagandisten für bemannte Mars-Missionen. Er erfand sogar ein System, in der die Mars-Atmosphäre zur Produktion von Sauerstoff, Wasser und Raketentreibstoff herangezogen werden könnte. Alles essentielle Bestandteile für seine letztendlich sogar anvisionierte Kolonisierung des Roten Planeten. Zubrin genießt trotz aller Fantastereien einen durchaus guten Ruf: Die NASA übernahm sogar einige seine Ideen in ihre Planungsunterlagen.

Zubrins Problem ist jedoch, dass die einst kühnen „Small step for me…“-Allhelden heute zu Space-Apparatschiks verkommenen sind. Diese Beton-Köpfe in Houston, wie er gerne ausführt, schlagen lieber die Zeit bis zu ihren jeweiligen Pensionierungen mit Kloreparaturen auf der „sinnlosen“ Raumstationen ISS und Missionen des Hitzeschutzkacheln verlierenden All-Oldtimer aus den 70igern, dem „Space Shuttle“, tot – anstatt an kühnen Mars-Missionen zu brüten. Dabei üben Zubrins Enthusiasten bereits unter marsähnlichen Bedingungen in der Nordpol-nahen Eiswüste von „Devon Island“ für ein Leben auf unserem Nachbarplaneten.

Und fiebern mit dem Next-Best-Thing zu am Mars herumwandernden Astronauten, den Roboter-Missionen, mit. Wie natürlich der Phoenix-Mission, eine Sonde mit eingebautem Labor und Roboter-Grabarm, die seit Tagen nach einer spektakulären Landung nach bakteriellen Aliens sucht – und hochaufgelöste Panorama-Bilder liefert, mit denen sich Magazin-Doppelseiten drucken lassen (würde die Umgebung in dieser speziellen Marsregion nicht so öde aussehen…). Ich erreiche den hörbar aufgeregten Zubrin in seinem Marsfans-Headquarter in Colorado. Er redet leise, macht nach jeder komplex klingenden, wissenschaftlichen Analyse eine Pause. Er will sichergehen, dass die Fakten in meinem untrainierten Hirn korrekt abgespeichert werden – oder ich zumindest ein verständnisloses „Häh!?“ unterbringen kann, wenn es zu streng wird.

Er stellt zunächst klar, dass die Phoenix-Mission von einem Mitglied der Mars-Society ausgebrütet worden war, die die NASA einst aus 30 Vorschlägen in einem Ideenwettbewerb ausgewählt hatte. Der zweite Triumph: Nach dem Crash des Polar Landers 1999 galten Projekte, die düsenbetriebene Landungen vorsahen, als „erledigt“, so Zubrin. Prompt war die nächste geplante Mission eines „Landers“ 2001 gecancelt worden. Die neue Mission hieße „Phoenix“, da die Idee eines landenden All-Vehikels „sich aus der Asche erhob“, so der Mars-Enthusiast. Und sie ist jetzt die spannendste All-Mission der Menschheitsgeschichte. Alle Komponenten des Konzeptes sind auf ein einziges Ziel gerichtet: Der Suche nach außerirdischem Leben!

Und warum soll es diesmal klappen? Zubrin ist nun richtig aufgewärmt: Die Viking-Sonden der 70iger hätten nichts gefunden, da sie in einer Region buddelten, wo die Zusammensetzung der Erde, Wärme und Strahlung alle möglichen Lebensspuren vernichtet hätten. „Deshalb wurde diesmal nahe dem Nordpol gelandet“, so der Forscher, „wo Bakterien im Eis tiefgefroren sein könnten“. Immerhin: Am Mars soll eine Milliarde Jahre lang flüssiges Wasser existiert haben, „weit länger, wie die Entstehung von Leben hier beanspruchte“, so Zubrin. Und als Kernthese gelte es zu beweisen: Entsteht überall im Universum Leben, wenn es Wasser gibt? Wenn ja, wäre es ein recht lebendiger Ort mit Milliarden an „lebenswerten“ Planeten.

Wie sollen diese Spuren von Leben aussehen? „Bakterien!“, stellt Zubrin klar: „Keine Dinosaurier!“ Sohnemann und Dino-Fan Max wird enttäuscht sein. wird Und Phoenix hat erstmals alles dabei, was so ein Alien-Sucher braucht: Ein kleiner Heizer zum Auftauen der Proben, ein Massenspektrometer und zwei Mikroskope, eines high-powered, optical, mit dem Mikroorganismen bestaunt werden könnten – das andere mit atomic force, mit dem die Struktur dieser Mikro-Marsianer besichtigt werden könne. Zubrin macht wieder eine seiner Pausen. Got it! Zumindest ungefähr. Und das ganze könnte erstmals auch fotografiert werden – für die Cover-Blätter von der New York Post bis zum Sydney Herald. Und was passiert, wenn Phoenix wirklich fündig werde? Nichts wäre für uns selbstzentrierte Menschheit so erschütternd, schwärmt der Marsfan: „Das gesamte Bild unsere Realität wäre Geschichte! Wir nennen ja immer noch die Erde unsere Welt – und der Rest ist der Himmel, das All, leer, weit, irreal“.

Und wenn sie nichts finden? Keep looking, sagt Zubrin. Es gäbe immer noch weitere Missionen an anderen Orten mit noch mehr Instrumenten: „Wenn Sie vor die Türe gehen und keine roten Füchse sehen, heißt das ja nicht, dass die nicht existieren am Planeten Erde“. Doch trotz aller Erfolge mit ferngesteuerten Mars-Vehikeln beginne die wirklich ernsthafte Phase der Mars-Exploration erst mit uns selbst vor Ort. Zubrin, wieder kämpferisch: Die NASA solle aufhören, Klospülungen auf der ISS zu reparieren und mit neuem Kennedy-Geist bemannte Mars-Flüge realisieren.