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Immerhin, ich sitze unter der Palmen am Pool des Komplexes, wo wir ein Apartment gemietet haben, nahe des Lyndgate Beaches an der Ostküste der Trauminsel Kauai, ein Prachtexemplar der zauberischen Hawaii-Inselkette. Es war kein leichtes Unterfangen samt den Kids, Baby Mia und „Bolldozer“ Maxwell, hierherzukommen. Die Reise begann bereits mit leichten Erschöpfungserscheinungen: Tagelang hatten wir unser Apartment geputzt und aufgeräumt – und vor allem bemerkt, dass das seit Mias Geburt vor zehn Monaten bisher offenbar nur sehr oberflächlich passiert sein musste. Wir bringen die Wohnung auf Vordermann, um Erlöse der Untervermietung in die üppigen Lodgingcosten in Hawaii pumpen zu können. Putzen und Aufräumen ist eine Sache. Den Fortschritt gegen Maxwell und Mia zu verteidigen eine andere. Kurz vor der Abreise mit dem Taxi zum Newark-Airport befehlen wir Maxwell, in der Mitte des Wohnraumes zu sitzen. “Don´t move!” Pack nichts mehr aus! Brösle nichts mehr an! Verbreite kein Chaos! Don´t move! Wie oft wir dieser Tage am Rand eines kompletten Nervenbruchs vorbeischrammten, möchte ich nicht zählen.


Lyndgate Beach, Kauai

Es ist deshalb ein erhebendes Gefühl, im Taxi zu sitzen. Alles ist ready – und kann auch nicht mehr unready gemacht werden. Es ist Mias erster Flug: Zehn Stunden Newark – Honolulu. Kein schlechter Auftakt. Und nachdem es mit Continental eine US-Airline ist, bekommt das Baby auch nicht eines dieser fancy Bassinets, kleine Krippen, die an die Wand gehängt werden und in denen Babies ganze Langstreckenflüge friedlich durchschlummern. Mia bounct daher in einem engen Spalt zwischen Sitz und Rückenlehne, legt wie eine Brustschwimmerin in den Olympic Trails Längen am Gang krabbelnd hin. Sie knabbert an Soletti, zerreißt Papierfutzel. Whatever. Nach den ersten 30 Flugminuten erachten wir unsere Überlebenschancen als gering. Doch Mia beginnt sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen – und wir erinnern uns an ähnliche Sonderleistungen während Maxwells Babyzeit bei zahllosen Trips nach Europa und Asien.

Max hingegen ist offenbar bereits recht groß geworden, zumindest was das Fliegen betrifft: Er palavert wie ein Big Boy mit seinem 15-Jährigen Sitznachbarn, lässt sich Solitaire am Inflight-Entertainment-System erklären und doziert so ausführlich über seine Lieblingsdinos und ihre Lebensbedingungen, dass der Bub in ein tiefes Koma zu fallen scheint. Die Szene erinnere fast an den Blödelfilm “Airplane”. 18 Uhr Lokalzeit, Mitternacht in New York. Wir schweben in Honolulu ein. Jetzt kommt noch der Verbindungsflug nach Kauai. Es ist bald geschafft. Denken wir. Das Gepäck rotiert leider auf zwei verschiedenen Bändern mit unterschiedlichen Codes. Recht unüblich, deshalb halte ich es auch bereits für „lost“.

Nun müssen wir mit dem “Wikiwiki”-Shuttle zum “Inner-Insel-Flüge”-Terminal. Nach 25 Minuten Wartezeit hat sich bereits eine recht unrelaxte Schar an Reisenden angesammelt. Als endlich ein Bus anrollt, denken alle an die Erlösung. Doch es ist kein Wikiwiki-Schriftzug sichtbar. Der Bus rollt an unseren langen Gesichtern vorbei. Taxi? Gehen? Wir kommen wir zu unserem Terminal? Max pennt bereits wie ein Homeless am Gehsteig, sein Rucksack als Kopfpolster. Der gleiche Bus kommt wieder. Die bereits zahlreichen in unser Drama involvierten Locals fuchteln (so aufgeregt wie sie das als relaxte Hawaiianer zustande bringen…): Das ist der Wikiwiki-Bus. What the? Warum hielt der zuvor nicht an? Egal, wir müssen Max wecken. “Go Airlines” jettet uns schließlich auf die Nachbarinsel. Selbst trotz komatoser Müdigkeit erheitert uns ein offenbar angeheiterter Stewart mit Gelalle über “Blasen sie in das rote Thing ihrer Schwimmweste…” Aloha. Hoffentlich ist der Pilot nüchtern. Ich erinnere mich an die Story, als einer bei einem Flug auf eine andere Hawaii-Insel einpennte und eine Stunde lang per Autopilot ziellos in dem Pazifik hinausflog…

Während Mia unsere Reiseodyssee mit stoischer Ruhe erträgt, wird das Aufwecken Maxwells bei jedem Stop länger als drei Minuten immer schwieriger. Vor der Gepäckabholung, dem Shuttle-Bus zum Rental-Terminal. Dazwischen wankt er wie ein Zombie. Budget möchte mir trotz Spitzenpreis von 840 Dollar für drei Wochen einen kleinen Zweitürer andrehen. Debatte, Ärger, Streit. Ich liebe Carrentalcompanies. Es ist jetzt 4:30 Uhr in New York. Nur mehr zehn Minuten Fahrzeit fehlen zu unserer Mietwohnung. Die Driving Directions sind am iPhone. Sehr cool und praktisch. Natürlich übersehe ich die Straße zum Abbiegen und steuere den erschöpften Clan nordwärts. Um 23:30 Uhr sind wir, nach mehrmaligen sehr uncoolen und lowtechmäßigen Befragungen von Anrainern, angekommen. Die ersten Tage werden in die Erholung allein von der Reise investiert. Prompt weckt mich Maxwell, der einzige, der während der Reise schlief, um 3 Uhr.