Print Friendly, PDF & Email

Independence Day, 232 Jahre USA, Happy Birthday. Zu feiern gibt es nach fast siebeneinhalb Jahren texanischer Kriegspräsidentschaft nicht rasend viel – und wir sind froh im entlegensten Territorium der amerikanischen Geradenoch-Supermacht den Tag begehen zu können, während New York in einer Patriotismus-Feuerwerksorgie mit drei Millionen Fähnchenschwingern am East River versinkt. Die Hawaii-Insel Kauai ist ideal positioniert, einen recht unüblichen 4th of July zu begehen. Wir hatten ohnehin großteils andere Sorgen.
4th of July in der Hanalei Bay: Backyard aus Camping-Stuff

Da ist zum einen der Sechsstunden-Jetlag: Ein unangenehmes Phänomen für Erwachsene, ein verheerendes mit zwei Kids, eines davon noch dazu ein Baby. Der Tag beginnt daher mit heftigen Rumoren Maxwells. Um 4 Uhr früh. Er lässt uns prompt an seiner Insomnia teilhaben: Ich stelle ihn elektronisch ruhig im Wohnraum mit einer DVD. Seine Wahl: The Grinch, ein Weihnachtsklassiker mitten im Juli in der Südsee. Passend. Mia plagt zusätzliches: Irgendwie scheint sie verblüfft über die massive Verfrachtung in eine doch recht neue Umgebung. Dazu läuft die Nase, wahrscheinlich durch den Bazillenbeschuss im Flieger. Zusätzlich fehlt vor der Küche eine Sperre. Mia meckert daher regelmäßig, dass sie alle 30 Sekunden vom Ausräumen der Messer im Geschirrspüler und des Putzmittels unter der Abwasch gehindert wird.

Zeit zur Flucht: Wir checken den Schnorchelstrand Anini Beach und die weltberühmte Hanalei Bay, deren majestätische, bizarr zerhackte Bergkette den spektakulären Hintergrund im Movieklassiker “South Pacific” hergibt. Vielleicht dämpft das Wetter unseren Enthusiasmus: Schnorcheln im kühlen Nieselregen ist selbst in der Südsee ein eher tristes Erlebnis. Und Hanalei bietet mit den 1000 Meter hohen Vulkangesteinsauftürmungen versteckt in tiefhängenden Wolken einen recht ordinären Anblick. Dafür ist ein Hauch an Stimmung des US-Geburtstages zu spüren. Ganz auf American Way of Life haben stolze Amis ihre Pickups an den Strand gerollt, mit Campingequipment gleich ihren eigenen Backyard gebaut. US-Flaggen inklusive. Dort wird gegrillt, Buds gekippt. Und es lässt sich zumindest für ein paar Stunden die Angst betäuben – vor Rezession, Job- oder Wertverlust des Home-Sweet-Home in Suburbia. Oder Schuldeneintreibern.

Wir grillen später auch, allerdings weniger traditionell. Unsere Nachbarn in der Apartmentanlage, biedere Bürger meist von der West Coast, wundert ohnehin nichts mehr. Denn wir sind eine recht eigentümliche Crew: Wir teilen unsere Condo mit Estees ehemaligen Studienkollegen James aus Brisbane, Australien, der mit seinem Boyfriend Rickie gekommen ist. Also: Zwei Gay Guys aus Aussie, eine Malaysierin, ein Ösi, zwei Kids, New Yorker. “Wow, das sieht lecker aus”, staunt dann prompt eine 50-Jährige, als James die Spieße mit Lachs, Schwertfisch und Chicken zum Grill beim Pool trägt. Und so ist es auch: Zusammen mit Seetang-Salat und Mango-Salsa genießen wir eine echte Gourmet-Mahlzeit abseits fetter Burger und schalem Bier. Nur Max ist nicht ganz überzeugt: Er schnorrt von der Familie an der anderen Seite des Pools ein Stück Pizza.

Am Abend zischen dann ein paar verhungerte Firecrackers in den regnerischen Abendhimmel. Wir bleiben dennoch höflich: Max zeige ich am Computer die Bilder der Feuerwerks-Show in New York und wünsche ihm Happy Independence Day! Immerhin sind er und Babysister Mia ja Amerikaner.