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Es gehört für Urlauber rund um die Welt zum Standard-Repertoire der Erholung. Ein Drink am Beach, wenn zusätzlich zum Alkoholgehalt die im Meer glitzernde Sonne und die feuchte Seebrise chemische Reaktionen des Wohlgefühls im Körper der Ausspannenden ankurbeln. Amerika ist hier leider das Land der unbegrenzten Einschränkungen: Wasserfronten aller Art werden gerne mit sechspurigen Freeways zugepflastert (wie etwa in NY gleich die des East- und Hudson-Rivers); an Stränden fehlen meist jegliche Restaurants; wohlhabende Villenbesitzer an den diversen Traumstränden stemmen sich zusätzlich gegen die Etablierung von Strandcafes für jedermann (und sind darüberhinaus beschäftigt, das gesetzlich vorgeschriebene Zutrittsrecht der Öffentlichkeit zu jedem US-Beach ad absurdum zum führen – wie etwa durch die Zulassung nur geringster Parkflächen wie in den Hamptons).


Lunch im Marriott-Ressort: Mehr Verpackungsmaterial als Essen

Die Hawaii-Trauminsel Kauai ist, als US-Territorium, keine Ausnahme. Zur Wahl stellt sich daher für uns: Ins lokale Café im nahen Ort Kappa zu pilgern – und auf der Holzveranda auf die Verkehrslawine des Highway 56 zu starren. Oder die Beach-Ressorts der großen Hotelketten abzuklappern, die zumindest bei ihren Strand-Restaurants Meerblick zulassen. Wir checken, als Abwechslung zur Serie selbstgekochter und gegrillter Gourmet-Mahlzeiten bei uns am Pool, das Marriott Resort und Beach Club gleich hinter dem Lihue-Airport, die größte Hotelanlage der Insel. Die Zimmer in dem Pauschaltouristen-Mekka rangieren zwischen $250 und $1,950, ohne Tax: Dafür erhalten die Tausenden, von jeglicher örtlichen Authentizität abgeschirmten US-Urlauber Arkaden mit dicken römischen Säulen, weitläufige Verkaufsflächen für folkloristischen Südseekitsch in allen grauenhaften Varianten oder einen Riesenpool mit venezianisch gewölbten Brückenübergängen. Sogar ein Doppelliegebett direkt am Pool mit dicken Pölstern steht für die Honeymooner bereit, die dann vor hunderten im Chlorwasser pritschelnden Touristenkollegen turteln können. Und der niedliche Papagei gleich hinter der Lobby gehört zu jedem tropischen Bettenbunker.

Wir lassen uns nahe des Strandes nieder. Doch sogar der ist eine Enttäuschung. Die Bucht bietet gerademal einen guten Ausblick auf die Industrieanlagen des Lihue-Hafens, wo ein Kreuzfahrtdampfer ankert. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Hotelgäste ihre obligatorische Bustour zu den wirklichen Traumstränden der Insel am letzten Tag ansetzen. Sonst würde ein unterschweliges Gefühl den Urlaub vermiesen, dass die ersparten Holidaydollars nicht gerade weise investiert worden sind.

Ich bestelle einen Martini. Why not. Die Waitress mit der bunten Marriott-Kappe warnt, dass der in einem Plastikbecher daherkommen würde. Shaken oder stirred. Daniel Craig würde hier wohl nicht absteigen. Unser Lunch kommt schließlich begleitet von einer Orgie an Wegwerfmaterial. Wir prosten uns mit den Plastikbechern zu, legen die welken Salatblätter in unsere aufgeweichten Sandwichbrote, verzehren die schalen Pommes und legen für unseren wahrhaftigen „Deluxe-Lunch“ mit Hafenblick $77 ab. Die Abwechslung zu unserer sonstigen Urlaubsgestaltung ist gelungen. Die Suche nach einem romantischen Lunch- oder Dinner-Spot geht weiter.