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Wenn es um Geek-Stuff geht, bin ich offenbar ein recht hoffnungsloser Fall. Da saß ich letzten Freitag frühmorgens am MacBook unter Palmen und downloadete Apples iPhone-Software-Upgrade. Das ist ja wohl das mindeste an diesem iDay II, dem Start der auffrisierten und preishalbierten iPhone-Version: In NY wäre ich in der Schlange gestanden im Soho-Laden für das 3G-Modell. Hier im Pazifik-Paradies bleibt zumindest die Software: Got to have it! Kauai hin, Urlaub her! Dass mir bei meiner morgendlichen News-Internetrunde die Horrorschlagzeilen á la „iApocalypse“ über Apples Meltdown bei der Registrierung der iPhones durch Überlastung der iTunes-Server entgegenschlagen, lässt mich nicht inne halten. Nicht einen Tech-Junckie! Ich Mac-Fan Herbert, Lemming!

Prompt gelingt es mir, trotz aller Warnungen mein iPhone ins elektronische Nirvana „upzugraden“! Anstatt mein 2.0-Software-auffrisiertes Phone zu registrieren, schickt mir iTunes Fehlercodes. “Server überlastet, sorry”, sagt Customer-Service. Estee schüttelt bereits leicht den Kopf, als sie mich mit Skype telefonieren sieht, während am Horizont die Sonne über die glitzernde Meeresbucht hochklettert. Warum ich mir das alles antue? Ich wollte die “Apps” ausprobieren, die kleinen, von Software-Tüfftlern ausgehexten Programme, mit denen der Spass beim iPhone erst richtig losgehen kann. Als iTunes endlich mein Gerät wieder aufsperrt, checke ich daher gleich den “apps”-Laden. Ich bin kein Gamer, daher suche ich nach anderem brauchbarem:

  • Ein Aufnahmegerät z.B., endlich! Nach einem, das Gespräche bei “Phonern” (Interviews am Telefon) aufzeichnet, suchte ich allerdings weiter vergeblich.
  • Auch die Gratis-Wetterdienste sind noch ausbaufähig: “Weatherbug” etwa zeigt mir beim Anklicken des Wetterradar gleich die ganze Welt als Google-Karte.
  • Daneben allerlei verspieltes, “Jott” etwa, das ins Mikro Gequatschtes in schriftliche Notes konvertiert. Wenns klappt, denn meine erster Versuch ist immer noch auf Status “waiting for transcription” geschaltet.
  • Eine NY-Subway-App erregt meine Aufmerksamkeit: Doch dann will ich doch keine $2.99 für das Service ausgeben, das Maps und Streckenplanänderungsupdates liefert. In der Subway selbst ist das iPhone ohnehin offline. Gerne zahlen würde ich für ein Programm, welches das Subway-Chaos vom Touchscreen aus entschärft. Oder das Lautsprechergekrächze auf Englisch übersetzt.
  • Gratis gibt es auch noch recht albernes, wie etwa Flashlight, das den Screen weiß aufdreht, als „Taschenlampe“.
  • Doch dann stolperte ich über die Facebook-App: “What are you doing?” steht gleich auf der Startpage im Suchfenster. Und dann kurze Einträge meiner Friends. Cute, denke ich mir. Ich habe gerade ein paar Minuten Zeit: Max schläft im Auto nach der Rückfahrt vom Beach, Mia hängt am Baby-Bjorn, Estee, Rickie und James sind Einlaufen im Supermarkt (ja, unser Lifestyle ist im Urlaub temporär recht surburbian…). Ich checke weitere Funktionen: Eine Liste meiner Friends, mein abgespecktes Profile, ein Chat und eine Mailbox. Und dann noch ein kleiner Kamera-Button oben rechts: Wow! Die Facebook-Application wird zur Kamera, das geschossene Bild automatisch in meinen “What are you doing”-Log upgeloadet. Ich fotografiere aufs Internet praktisch, für alle meine Cyberspacefreunde in real time zu sehen.

    Die Armen: In der ersten Euphorie über diese Killerapp und der Tatsache, dass ich Netzdino in Sachen Social Networking nun ebenfalls den Kult um Facebook zu verstehen beginne, überhäufe ich sie mit einem Inferno an Updates: Max und Mia beim Frühstücken, ein schlafender Seal (nicht der Popstar!) bei uns am Strand, der Sonnenaufgang mit Palmen, Herbert, der frischgebackene Facebooker mit Martini-Glas beim Sonntagsbrunch oder mit Max beim Durchrasen der Supermarkt-Gänge. Endlich können wir uns auch per Fotos permanent mitteilen, was wir tun! Ob das irgendjemanden interessieren wird, bleibt natürlich abzuwarten.

    Estee konzentriert sich – weiserweise! – lieber auf den Urlaub. “Schaue ich mir in NY an”, schnappt sie bei einem meiner aufgeregten Erklärungsversuchen. Nur als sie selbst auf einem Bild zu sehen ist, fragt sie: “Und das sehen alle am Web?” Ja, Schatz. Sorry… “Kannst du das löschen?” Nein. Sorry. Gelungen ist mir jedenfalls neben dem Nerven meines Ehepartners, einen zusätzlichen Kommunikationskanal zu eröffnen: Handy, Skypes Voice und Videocalls, SMS, Jajah, Email, Google-Talk und Skype-Chat waren ja wohl nicht ausreichend. Jetzt kommt Facebook-Email und Chat und „What am I doing“ hinzu. Es kann nun noch heftiger blinken, summen und bimmeln. Ja, erraten! Der Facebook-Icon am iPhone hat natürlich auch den kleinen, roten Kreis, wenn eine Nachricht wartet. Touch!