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Dass wir Menschen aufrecht gehen können, ist eigentlich erstaunlich. Ins Bewusstsein gelangt diese banal anmutende Beobachtung beim Start menschlicher Gehkarrieren. Mias beispielsweise, die ihren Hawaii-”Urlaub” zur Erlangung dieser wichtigen Funktionsweise des Homo Sapiens verwendet. Babies können sich Vacations natürlich nicht wirklich leisten: Zu vollgepflastert ist der Terminkalender mit Nonstop-Übungen zur Vollendung diverser Meilensteine. Zu unverzeihlich hat die Evolution bestimmte „Entwicklungs-Fenster” vorgegeben, wo Babies alles vom Erlernen der Feinmotorik bis zu Installationen systemkritischer “Software” abgeschlossen haben müssen.


Mias Spaziergang durch die Ferienwohnung

Dass Gehen der ultimative Balanceakt ist, wird bei Mias Versuchen rasch offensichtlich. Immerhin: Ein doch bereits 70 Zentimeter langer Körper muss auf bloß acht Zentimeter kurzen Fußsohlen fortbewegt werden. Mia hat daher bestimmet Balance-Techniken entwickelt: Sie hält beide Arme nach vorne, fast wie eine Seiltänzerin. Oder eher wie die wankenden Zombies aus Michael Jacksons Thriller-Videoclip. Mia erlernt das Gehen eher systematisch, stetig, jeden Tag ein paar Schritt mehr. Komplett anders als Maxwell: Der raste als echter TGV-Krabbler monatelang herum. Am 6. Mai 2003, um 14:10 Uhr stand er dann, zwölfeinhalbmonatig, plötzlich auf – und marschierte. Einfach so. Mia ist, knapp elf Monate alt, auch weit früher dran.

Und das ohne jegliche Aufmunterung: Nachdem die Konsequenzen erlernter Fähigkeiten von Kleinkindern bei Nr. 1 ausführlich studiert werden können, wird Nr. 2 von dem meisten Eltern keinesfalls zur frühen Überquerung der Entwicklungshürden angetrieben. Je länger das Baby völlig immobil auf ihre Spielwiese sitzt, desto besser. Je später sie krabbeln, desto später müssen die Steckdosen verschlossen, die Blumentöpfe zugepickt und die Sperren vor der Küche installiert werden. Und je später sie gehen, desto länger können sie aufgrund limitierter Höchstgeschwindigkeiten beim Krabbeln leicht im Auge behalten werden. Sorry, Kid Nr. 2!

Nur Mia schert sich wenig um derartige Überlegungen. Sorry, Mum & Dad! Auch wenn erste Versuche in einem Showdown mit dem Betonboden endeten – mit eindeutigem Favoritensieg (Mia sah ein paar Tage so aus, als hätten wir sie verprügelt…). Und mehr Schwierigkeiten als sie beim Gehenlernen hatten ihre Eltern beim Dokumentieren des familienhistorischen Events: Endlich, denke ich, habe ich einen kleinen Mia-Spaziergang mit der Kamera festgehalten (nachdem sie tagelang fast vollautomatisch beim Auftauchen einer Linse auf alle Vier niederging…). Zu sehen ist dann aber nur ein verschwommener Fuß. Die Kamera-Funktion war auf „Foto“, nicht auf „Video“ geschaltet. Für diesen Blog-Eintrag muss ich mich daher auf die Jagd nach uploadfähigem Dokumentationsmaterial begeben. Nach einer Stunde erfolglosem Flehens schafft es Estee schließlich. “Walking Mia” ist ge-youtubed, ihr Meilenstein damit offiziell. Und die Jagd nach der nun noch effizienter davoneilenden Mia kann beginnen.