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Die Schürfwunde ist ungefähr eineinhalb Zentimeter lang, fast einen breit, gleich neben dem linken Auge. Sie prangt recht entstellend und auffällig im Gesicht eines Mitglied der Bauernebel-Familie. Am ehesten könnte auf Mia getippt werden, die seit Tagen in schwindelerregenden Torkelbewegungen über die Betonböden balanziert (und einmal auch bereits fest kollidierte). Nein, es ist silly Daddy, der geborene Binnenländer, dem eine fiese Pazifik-Welle eine Lektion erteilte: Kopf voran in den Kauai-Strand geknallt! Autsch! Ich rätsle selber heftig, warum ich mir trotz kompletter Absenz jeglichen Talents im Umgang mit Meeresbrandungen derartige Erniedrigungen und letztendlich Verletzungen antue. Es ist fast wie ein Sucht. Jede Brandung dieser Erde habe ich bisher attackiert, mit für Beobachter unterhaltenden, für mich schmerzhaften Resultaten.

“Boogie-Bert”, hatte mich Estee vor Jahren nach einigen Ausritten auf der Thai-Insel Kho Phangan getauft. Ha, ha! Aufgeben? Not a chance! Vielleicht hat mich auch das amerikanische Virus angesteckt, stur immer tiefer in Quagmire á la Vietnam oder Irak reinzuwaten. Den einzig nachhaltigen Reality Check erhielt ich immerhin in Sachen Wellenreiten: Nach vier wirklich furchtbaren Tagen als Backpacker im indonesischen Bali 1992 habe ich es doch bleiben lassen. Die Red Flags waren nicht zu ignorieren. Drei Tage lang versuchte ich vergeblichen, auf die zum zweiten mal brechenden Juniorwellen aufzuspringen. Der Einsatz eines viel zu kurzen Profisurfboards, das mir der clevere Local zur Vermietung andrehte, war ebenfalls keine große Hilfe (wäre so, als würde man mit 2,10 Meter langen Latten Schifahren lernen). Das Resultat: Keine Euphorie durch den magischen Antrieb der Urkraft unsere Ozeane. Bloß Muskelkater und Sonnenbrand. Letztendlich wagte ich mich raus zu den Profis, die elegant auf ihren Boards sitzenden auf den Ritt eine der bis zu vier Meter hoch brechenden Riesenwellen hinunter warteten. Es ist ein Wunder, dass ich nicht schon beim Rauspaddeln zertrümmert wurde. Eineinhalb Stunden lag ich dann draußen am Board mit veritabler Todesangst (ja genau, ich konnte nicht einmal am Board sitzen…). Letztendlich beendete ich meine Bali-Surfkarriere mit einem schmerzhaften Köpfler den Brecher hinunter.

Seither gibt es nur mehr Boogieboard oder Bodysurfen. Und Hawaii ist natürlich eine echte Herausforderung für den maritimen Grünschnabel: Das merke ich, nachdem ich nach zehn Minuten in der Brandung eines Surf-Beaches nördlich von Kappa total erschöpft und von den Gewalten reichlich bescheiden gemacht aus der tosenden Gischt wate. Weit bin ich nicht gekommen mit meinen Board, nachdem mich selbst die kleinerer Wellen jedesmal ab- und vor allem, unerfreulicherweise, zurückwarfen. Das ist zwar frustrierend, aber vielleicht auch ein Glücksfall: Immerhin blieb dadurch die Gefahr gering, dass mich einer der elegant durch die Wellentäler gleitenden Profis überfährt. Wenigstens ist Hawaii zu gelassen und cool, um derart unbeholfene Wellenstürmer offen auszulachen. Ein Hawaiianer, der im Skianzug die Streif runterstürzt, würde weit mehr Hohn ernten. In den Sand bohrte ich mich dann nicht einmal am Surfbeach, sondern im vergleichsweise harmlosen Wellengeplätscher des Lydgate-Beaches vor unsere Anlage. Die Hoffnung bleibt, dass die Nachkommenschaft die Surfgene der Bauernebels auffrischt: Max brauste bereits am Board stehend kleine Wellen hinunter – und selbst Baby Mia (Foto) ging zuletzt in Stellung.