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Man sollte denken, Banken würden sich über gute Kunden freuen. Sie anständig behandeln. Sie nicht unnötig aussackeln. In Zeiten wie diesen, anyway: Mit Schlangen wütender Anleger der bankrotten IndyMac-Bank in Kalifornien flimmerte schauriges Great-Depression-Feeling über die TV-Sets in den im Wert täglich weiter verfallenden Suburb-Home-sweet-Homes. Tage später mussten zwei weitere Banken, First Heritage in Kalifornien und National Bank of Nevada, wegen dem historischen Raschhypothekendebakel das Handtuch werfen. „Mangelnde Flüssigkeit“, hieß es im sperrigen Beamtendeutsch. Feds, übernehmen sie! Die Investmentbank Merrill Lynch vermied haarscharf das Schicksal des im Frühjahr gestürzten Ex-Konkurrenzhauses Bear Stearns durch eine 3,4-Milliarden-Dollar-Geldspritze aus der Singapur. Der Dreimillionen-Einwohner-Zwergstaat am Südzipfel der malaysischen Halbinsel, verlacht wegen seines Kaugummiverbots, verachtet wegen der Prügelstrafe für den US-Studenten Michael Fay 1994, setzt sich nun als Retter der Giganten der Weltfinanz in Szene.

Nun geht es bei meinen beiden Savings– und Checkings-Konten um Peanuts verglichen mit dem globalen Jonglieren von Billionen. Dennoch: Ein guter Kunde ist ein guter Kunde! Das Drama beginnt, als ich eine “Service Fee” in der Höhe von $12 auf meinem Bankauszug finde. Nun habe ich mich an die Abzocke von JP Morgan Chase, meiner Bank, mit immer neuen Fees ja schon fast gewöhnt: $2 für das Abheben an bankfremden ATMs (Bankomat). Zusätzlich zu den $2, den die ATM-Betreiber einheben. “NON-CHASE ATM FEE-WITH”(drwal) heißt der Eintrag am Schirm. Katsching! $2 zahlte ich kürzlich, als ich mich in Hawaii vertippte und bloß den Kontostand abrief, anstatt Bares zu beheben. NON-CHASE ATM FEE-INQ”(uiry). Katsching! Richtig: Die patscherte Behebung von $100 kostete mir $6 an zusätzlichen Gebühren. $15 behalten die Räuber von der Bank von meinen Auslandsüberweisungen ein. “Incoming Foreign Wire Fee”. Katsching!

Und da stand es also: SERVICE FEE. Ein Anruf bestätigt meine schlimmsten Befürchtungen: Chase hat plötzlich befunden, dass ich $5.000 in beiden Accounts halten muss, um von der Kontoführungsgebühr ausgenommen zu bleiben. Davon war natürlich nie die Rede, als ich 1999 das Konto eröffnete. Und noch nie blechte ich diese Gebühr! Der “Supervisor” in irgendeinem Call Center in Irgendwo (die Sprechroboter der ersten Verteidigungslinie von Corporate Amerika habe ich längst überwunden gehabt…) beharrt jedoch, dass es dieses Reglement schon immer gegeben hatte. Wie kann das sein? Mein Kontostand stürzte tausendemale (leider) in den letzten neun Jahren unter $5.000. Nie wurde mir die Gebühr aufgebrummt. Ich denke, dass ich ein logisches Argument unterbreite. Doch ich dringe nicht durch. Sie beharrt auf ihrer Argumentationslinie, fügt an: Früher hätte mir vielleicht auch der Schuldenstand in der “Overdraft”-Kreditlinie beim Einhalten der $5000-Regel geholfen. Wenn ich der Bank Geld schulde, seien meine Assets größer? Ich hege mit eskalierender Intensität Zweifel an ihrem Verstand. Oder werde ich jetzt bestraft, weil mich Chase mit 18,4 % Zinsen nicht mehr übers Ohr hauen kann? Sorry for the inconvinience. Sir!

Ich lege auf. Ich suche meinen Account-Manager bei der Lokalfiliale. Der ist offenbar der Kündigungswelle im Bankensektor zum Opfer gefallen. Oder weil er mich, wie ich in dem Telefonat endlich erfahre, von der Gebühr ausgenommen hatte – als Chase einseitig einen bestehenden Vertrag einfach vor zwei Jahren abänderte (stand wahrscheinlich unter Punkt 64b in einem 20 Seiten langen Legal Disclaimer, den die kreativen Banker ihren Kunden alle Zeiten zum Anklicken online servieren…). Sein Nachfolger ist weniger flexibel: Auf die Drohung, mir bleibe dann keine andere Wahl, als meine Konten aufzulösen, folgt Robotalk. Is there anything else I can help you with? Nun dann, lieber Kollege: Mit der Kontoauflösung. Minuten später marschiere ich in eine Filiale der Britenbank HSBC und eröffne ein Konto. Die haben natürlich auch Fees und Konditionen – aber es ist einen Versuch wert. Und von Chase wollte ich ohnehin seit Jahren los. Nachträglich muss ich ihnen fast dankbar sein, dass mir mit einer $12-Fee und Überdosis mangelnder Flexibilität einem langjährigen Kunden gegenüber den Exit erleichterten.