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Mein professionelles Nomandentum, meine Zeit als arbeitender Laptop-Refugee, ist zu Ende. Die Kids haben ein Stockbett. Beide der menschlichen Bündel in einem Zimmer. Ihrem Kinderzimmer. Wow. Es ist ein Meilenstein – für Maxwell (6) und Mia (fast 1). Aber vor allem für uns. Bei der Rückeroberung unseres Lebens, des privaten und vor allem auch des beruflichen. Abgewickelt haben wir den historischen Möbelkauf für günstige $179 Dollar beim neuen, mächtig von lokalen Bürgerinitiativen bekämpften IKEA in Red Hook, Brooklyn. Das Stück heißt TROMST, unsere neue private Zeitrechnung: B.T., „before tromst“ und „after tromst“ (die alte Zeitrechnung basierte auf Maxwells Geburtstag, wonach wir unser fideles Coupleleben als „B.M“, „before Max“ bezeichneten. Mit einem uncoolen Pickup-Truck, wenigstens gemietet mit der coolen Autoverleihfirma ZipCar, holten wir es ab. Die Gestänge des Bunkbeds lassen sich nun mal nicht im Minicooper transportieren.


Max und Mia in ihrem neuen Stockbett: Dino zur Slumber Party geladen…

Beim Zusammenschrauben realisiere ich plötzlich: Zum ersten Mal seit fast einem Jahr ist wieder eine klarere Trennung zwischen Familien- und Arbeitswelt möglich. Die Chance, von zu Hause arbeiten zu können und seine Kids großwerden sehen, ist eine einzigartige. Und ich werde es niemals bereuen. Dennoch ist man mit der erste Reihe fußfrei beim Windelwechseln, Breimanschen, Barney-Singen, Teletubbies bestaunen, übers Zahnen lamentieren, zeitgerechte Nickerchen verweigern, Bitzelanfälle perfektionieren, durch die Wohnung tollen oder zu endlosschleifender Kindermusik tanzen oft eindeutig zu knapp am Geschehen. Nicht dass wir uns nicht gegenseitig befruchtet hätten durch die seltsame Symbiose aus Büro- und Familienleben in den Räumlichkeiten der 21 West Street: Maxwell hat viel gelernt über Obama und und Hillary – und wie man so zum Präsidenten der USA gewählt wird. Und ich habe so viel über Dinos erfahren, dass ich meine Stories besonders aufmerksam durchlese, damit sich nicht irrtümlich ein kreidezeitlicher Carcharodonthosaurus in einen Report über Kalifornienwaldbrände verirrte.

Dazu bin ich mit meinem Job als Zeitungs-Korrespondent mangels aufwendigen Equipments mobil: MacBook, iPhone, TV bekomme ich via “Eye TV”-Adapter ebenfalls direkt in den PC via zwei Kabelanschlüsse, WLAN-Internet in der Wohnung. That´s it. Deshalb kann ich mal im Wohnzimmer, mal im Schlafzimmer, mal sonstwo werken. Toll. Und manchmal, wenn ich gerade von der vielen Flexibiltät schwindelig werde, denke ich mir: Warum bin ich nicht Stahlgießer! Niemand könnte von mir verlangen, mich mit meinen Hochofen mal kurz in den Nebenraum zu verziehen. Was insgesamt natürlich fehlt ist für den Heimwerker samt Familie ein Threebedroom-Apartment. Ein Büro (mit schalldichter, hunnensicherer Tresortüre), ein Kinderzimmer, ein Schlafzimmer. Doch wer hat das Kleingeld von $8.000/Monat? Deshalb operieren wir, mit den Kids nun übereinander konsolidiert, über ein kombiniertes Büro/Schlafzimmer. Das hat auch Vorteile: Man kann sprichwörtlich bis zum “Umfallen” arbeiten. Dazu beträgt die Distanz des morgendlichen Pendelns zirka 110 Zentimeter. Komplett wetterunabhängig.

Die Kids sind jedenfalls begeistert über das Stockbett: Max, der natürlich oben schläft, lud alle Stoffdinos zur Einweihungs-Slumber Party. Und Mia testet prompt das Auf- und Absteigen in ihr neues Bett. Wenn sie dort schließlich irgendwann auch durchschläft, ist unser Comeback ins Leben perfekt…