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Da stehe ich mit seifigen Händen und weiß nicht was ich machen soll. Schauplatz der B-Movie-reifen Szene ist der Restroom eines Restaurants am “Hudson River”-Hafen. Die Armaturen sind Hightech. Sensorkontrolliert. Wenn der eine Hand unter dem Hahn aufspürt, erteilt er den Befehl: Wasser marsch! Offenbar ist das Ding kaputt, oder meine Hände sind wie bei Jessica Alba in “The Fantastic Four” per Tarnkappenfunktion unsichtbar. Ich tippe eher auf ersteres. Der Hahn daneben hat das gleiche Problem. Der Serien-Crash hält mir jegliche Spülmöglichkeit vor. Wenn der Sensor beim Seifenspender (ja, auch der hat in diesem futuristischen Musterklo des 21. Jahrhunderts einen…) auch gestreikt hätte, wäre ich erst gar nicht in diese Situation geraten. „Hightech-Stuff…“, denke ich verärgert, während mir wenigstens der Bewegungssensor am Papiertücher-Automaten gnädig was zum Abwischen bereitstellt.

So sehr moderne Technik unser Leben erleichtert, und so sehr ich jedes neue Gadget sofort haben muss und viel zu viel Zeit beim Ausprobieren verplempere. Die philosophische Frage drängt sich in nachdenklichen Minuten nach kompletter Erniedrigung durch Fehlfunktionen derselben auf: Wie sehr macht uns Hightech letztendlich zu nervösen Wracks? Die Liste möglicher täglicher Fehlfunktionen dieses Arsenals an angeblich produktivitäts- und lebensqualitätsförderndem Stuff ist lange. Beginnen wir mit banalem: Die TV-Fernbedienung. Zum einen ist sie nie zu finden. Liegt unter einem der vielen Pölster. Oder verschleppt von den Kids. Nachdem sie zu einem modernen Flatpanel-TV gehört hat sie mehr Funktionen als ein Klavier Tasten: HDMI, AV, TV, DVD, Cable, Menu, Mute, Info, whatever. Da die Tasten beim Draufdrücken orange leuchten, ist die Remote gleichzeitig Mias Lieblingsspielzeug. Und prompt setzen ihre geheimen Tastenkombinationen das TV-Gerät viel zu oft für viel zu endlos lange Minuten eines hypernervöse herumdrückenden, bereits um 7:10 Uhr genervten Dads außer Gefecht.

Dann der Internet-Anschluss für die Wohnung: Verizon hat zwar ihr State of the ArtFiOS-Fiberoptik-Service installiert, mit dem das WWW pfeilschnell durchs Ethernetkabel fetzt. Dafür ließen sie einen antiquierten Wireless-Router zurück, der es mit Dailup-Geschwindigkeit zum nicht verkabelten Laptop schickt. Immerhin bricht die Internet-Verbindung nicht mehrmals täglich ab, wie beim Kabelmodem-Service unseres früheren Anbieters RCN. Das normale Telefon haben wir aufgegeben, $70/Monat für eine eigentlich völlig überflüssige Landline ist Geldvergeudung. Doch es ist riskant: Der Handy-Provider AT&T liefert recht variable Voicequality, um es nicht „R“-rated zu formulieren. Oft hört es sich an, als würde ich das Auslandsbüro auf einem unsere Nachbarplaneten betreuen. Internet-Telefonie ist ein feine Sache, wenn sich die Verbindungen nicht zu oft wie die Soundeffekte im Kultstreifen “The Matrix” anhörten – oder mitten im Skype-Telefonat der Account leer ist.

Und hinzu kommt natürlich das revolutionäre iPhone, dass alles überall kann. Stimmt. Zumindest meistens. Wenn es nicht einfriert oder verwirrt ist, weil es nicht weiß, ob es sich beim vergammelten “FreePublic”-WLAN einloggen soll, oder zwischen “Edge” und “3G” herumschaltet. Dazu führt die Enttäuschung, in welch beschämend mickriger Geschwindigkeit AT&T die Daten durch ihr als superschnell gepriesenes 3G-Datennetz herankarrt, fast zu mehr Frust als das endlose Warten am alten iPhone auf die Websites via Edge… Mit derart geballter Lebenserleichterung durch Silcon Alley ist es kein Wunder, dass wir als hyperaktive Nervenbündel Yogastunden buchen.

Deshalb freute ich mich bei unserem etwas heruntergekommenen Lieblingslokal in Tribeca über das erfrischende Lowtech-Klo: Eine Plastikflasche mit Flüssigseife, ein stinknormaler Wasserhahn, ein Papertowel-Behälter mit banalem Hebel. Zufrieden marschierte ich mit gewaschenen und getrockneten Händen nach draußen.