Going nowhere: Eine kleine Weltreise zum New Jersey-Hausmeisterstrand


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Die Beaches rund um New York sind großartig. Ehrlich. Kaum etwas hat mich mehr überrascht nach meiner Ankunft in New York 1999 als die Attraktivität der Strände. Einziges Problem: Das Dorthingelangen! Weit über 18,8 Millionen leben in der Metro Area im und rund um den Big Apple. Und viele von ihnen wollen im Sommer – auch aufgrund karger Urlaubsgelegenheiten – an den nahen Atlantik. Wir könnten natürlich mit dem Zug fahren, wie ich das mit Maxwell vor allem den letztem Sommer über mit fast religiös eingehaltener Regelmäßigkeit machte. Seit Mias Geburt sind wir jedoch keine Backpacker mehr. Besonders was das Ausmaß an mitzuschleppendem Stuff betrifft. Und mit Sonnenschirm, Kühl- und Reisetasche, zusätzlich zu den Kids, in der Penn Station mit Tausenden die Regionalzüge zu stürmen, scheint höchst unattraktiv.


Max, Mia, Estee und Bekannte am Jersey-Beach: Skyline in Sichtweite

Also Auto! Die sind jedoch meist für die Weekends auf Wochen hinaus ausgebucht. Wir hatten Glück: Plötzlich wurde bei Zip-Car am Sonntag ein Wagen frei. Ein Glückstreffer: Ein Mini Cooper, unser Lieblingsauto. Und Meteorologen hatten dazu Kaiserwetter angesagt. Der Kofferraum des coolen “iPods der Autobranche” ist prompt zu klein für den Kinderwagen. Never mind, zurück ins Apartment damit. Der Mini ist natürlich nicht wirklich eine Familienkarosse.

Wir steuern diesmal die Jersey Shore an, den Küstenstreifen südlich Manhattans. Weit näher als die Strände auf Long Island. Die iPhone-Googlemap spuckt die Route aus: 1 h, 11 min. Theoretisch. Dass wir diese Fahrzeit nicht einhalten werden, bemerke ich, als mich das iPhone mit falschen Anweisungen vom Kurs abbringt. Zumindest hat die 3G-Version GPS: Ich sehe genau, wie weit ich mich verfahren habe. Immerhin.

Eine wegen Bauarbeiten einspurige Brücke zur Strandinsel kostet uns mehr als eine Stunde. Während die Kids zu rumoren beginnen und Maxwell alternative Lösungsvorschläge anbietet (“Lassen wir den Wagen doch hier stehen und gehen wir zu fuß…), lasse ich via Facebook-App allen Friends wissen, dass ich im Stau stecke. Wen das nicht jemanden interessiert. Wir stecken jedenfalls lange genug fest für die 20 Minuten, die die tolle Internetanbindung des vermurksten 3G-iPhones braucht, um ein Bild upzuloaden. Prompt, als wir die Brücke überqueren, ist der Parkplatz bei unserer Destination Sandy Hook zu voll. Wir stauen nach Süden auf der immer verzweifelteren Suche nach einem Parkplatz. Beaches sind in den USA prinzipiell für die Öffentlichkeit zugänglich. Doch Anrainer sind kreativ, ebendieser den Zutritt zu verunmöglichen. Hier haben sie den Strand von der Straße durch eine vier Meter hohe Betonmauer getrennt – deren Überquerung (außer Freeclimbing) nur über Stiegenaufgänge möglich ist. Und die sind privat: “No Trespassig”, prangt an Tafeln. Ob sie Tretminen vergraben haben oder Scharfschützen lauern, will ich nicht testen.

Wir sind daher nicht alleine beim Stürmen des einzigen öffentlichen Parkplatzes. Die Kids toben. Es gibt nur mehr einen Ausweg: Wir räumen die orangen Cones um einen für wen auch immer reservierten Parkplatz weg, parken ein – und hoffen, dass der nicht für die Cops freigehalten war. 3:11 Stunden nach unserer Abfahrt stapfen wir entnervt auf den Strand. Am Horizont ist die Skyline von New York zu sehen. Ja, fast vergessen: Geografisch sind wir gar nicht weit entfernt.

Die Stunden am Beach sind, trotz Menschendichte wie in Lloret de Mar an der spanischen Costa Brava, New-Jersey-Hausmeisterstrand-style, versteht sich, recht angenehm. Max hat beim Bodysurfen den Autoalptraum rasch vergessen – und Mia ist ohnehin happy, wenn sie Sand auf Badetücher schaufeln kann. Wir brauchen alle Erholung für den Rückweg: Der geht zwar zügiger, doch dauert auch zwei Stunden – trotz Zurücknavigieren via die „Hintertüre“ über die Verazzano Bridge von Staten Island nach Brooklyn und dann per Tunnel direkt zum Battery Park. Wenigstens sind beim Zurückstauen die Ausblicke auf das New Yorker Wolkenkratzermeer umwerfender als die Jersey-Suburbhütten beim Hinstauen. Ach ja, billig war der Spass ebenfalls nicht wirklich: Zip Car verrechnete für die fahrende Nussschale $153.06. Die Rechnung für die Maut für die dutzenden überquerten Brücken folgt erst.

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