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Warten auf Obama. Auf seine SMS. Wen er zum Vize ernennen will, zu seinem “Running Mate”. Ich schreibe diese Zeilen im vollen Bewusstsein, dass mein iPhone mit dem eingestellten metallischen Zirpen des “Electronic”-Sounds die Landung der Text Message mit der Bekanntgabe der Number Two des The One vermelden könnte (hoffentlich, wenn mir nicht das 3G-Debakel auch die Möglichkeit des SMS-Empfanges rauben sollte…). Witzige Idee mit dem SMS, der direktesten Benachrichtigung seiner Millionen Fans. Ob ihn jedoch das Theater und die Geheimniskrämerei, wer an seiner Seite die Zielgerade zum Wahltermin am 4. November runterstürmen soll, nach dem jüngsten Absacken in den Umfragen wieder auf Kurs bringt, bleibt abzuwarten. Seit Montag hat sich die nationale Obama-Vize-Watch intensiviert: Die NYT rapportierte, dass sich Obama in Hawaii längst entschieden habe, vielleicht beim Bodysurfen. Und nur mehr drei Namen seien auf der Liste gestanden: Biden, Bayh und Kaine. Drei weiße Männer. Gähn. Doch wahrscheinlich braucht ein derart aufregender Kandidat jemanden recht unaufregenden daneben. Zum Ausbalanzieren.

Seither versuchen die besten Polit-Reporter des Landes, Obamas SMS mit einem Exklusiv-Scoop zuvorzukommen:

  • Die AP versuchte es mit einer trockenen Analyse: In Zeiten des rabiaten Putin komme Obama um APO-Profi Biden nicht herum. Dazu kann der kämpferische, jedoch mitunter auch fettnapftretende Senator mit Hacklerwurzeln den rechten Obama-Rufmördern die Leviten lesen.
  • Andere durchforsten Obamas Termin-Kalender: Donnerstag, um 11 Uhr Ortszeit hatte er etwa einen gemeinsamen Auftritt mit Tim Kaine in Virginia. Kaine also! Prompt kamen die News derart verzerrt auf der anderen Seite des Atlantiks an, dass der Eindruck entstand, um 11 Uhr verlaute Obama seinen Vize… Durch ein paar Telefonate kann ich zumindest für Beruhigung im “Österreich”-Newsroom sorgen. “Ja”, sage ich: “Ich bin auf der SMS-Liste – und warte weiter wie Millionen andere”. Am Samstag absolviert Obama einen Auftritt im Staat Indiana. Bayhs Heimatstaat. Also doch: Bayh?
  • Weitere des mitreisenden Medientrosses hängen an Obamas Lippen, um durch das aufmerksame Zwischendenzeilenlesens das Polit-Rätsel des Jahres zu knacken: Obama liefert dazu offenbar absichtlich Munition durch das Runterrattern an Eigenschaften, die sein neuer Partner beim Whitehousestürmen haben sollte. Ooops! Hatte er etwa ER gesagt? Tschüss Hillary und Sebelius! Andere von Obama gestreute Clues des Anforderungspsychogramms seiner künftigen Nr. 2 provozierten in dem Medientheater, dass längst auch als “Silly Season” für Headlines sorgt, seitenlange Neueinordnungen der Chancen der Chancenreichsten quer durch die Blogosphäre.
  • Und was ist, wenn all die von Obamas Helfern gestreuten Hinweise glatte Blendgranaten sind? Was ist, wenn er doch noch Hillary aus dem Hut zaubert? Oder JFK-Tochter Caroline Kennedy, wovon Provokateur-in-chief Michael Moore träumte. Nach Tagen des doppelten Herumtippens – das auf den Vize und das in den Laptop – wurde es selbst den Insidern zu blöd: “DREAM TEAMMATE!!!” knallte Times Top-Blogger Mark Halperin auf seine Site “The Page” über das Foto einer schallend lachenden Hillary. Darunter: “To get the inside scoop on what this speculation is based on, click here”. Ein riesengroßes “NOTHING!!!” erwartet dort die Kicker. Ha, ha.

    Obamas SMS ist immer noch nicht gelandet – ich hoffe das Posten des Bloggs geht sich noch aus…