KURS: WHITE HOUSE!


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Da stand ich in den Rauchschwaden des Feuerwerks in Sektor 123 im Obergeschoß des “Invesco Field”. Und wischte mir die feuchten Augen aus. Fast zehn Jahre in den USA haben Spuren hinterlassen. Emotionen auch zu zeigen. Sie überhaupt zu haben. Es ist ein Moment, den wir nie vergessen werden: Amerikanische, ja Menschheitsgeschichte. Von der Obama-Rede in Denver werden sie reden. Der Start zum erfolgreichen Wahlkampffinale, das in der Obama-Präsidentschaft mündete. Max und Mia, die aufwachsen in dieser Ära. Max, der sich in unserer Mietwohnung gemeinsam mit Estee am Boden liegend die Rede im TV ansah. Die ganze. Welche Kindheitserinnerungen! Die unglaublichste, politische Cinderella-Story, die Amerika, ja die Welt je gesehen hat.

Wie Miniaturen stehen Barack, Michelle, die Bidens, die Kids auf der Bühne am Rasen darunter. Sie winken. Erleichtert. Wie die Fans, die ebenfalls aufatmend wie angewurzelt da stehen. Sie Starren. Weinen. Umarmen sich. Hoffen. Träumen. Von einer besseren Zukunft. Und vor allem vom Ende des Republikaner-Alptraums. Obama hat die vielleicht beste Convention-Speech aller Zeiten gehalten: Bescheiden, wenn es um seine Herkunft ging, berührend, wenn die Sorgen der unter die Räder gekommenen kleinen Leute beschrieben wurden, kraftvoll, wenn er außenpolitische Kompetenz versicherte, aufbrausend, wenn er den Patriotismus der Demokraten verteidigte – und verheerend, wenn er John McCain attackierte. In perfekt positionierten, TV-gerechten Soundbites arbeitete er die Kontraste seiner Politik mit jener von Bush/McCain heraus. Thema für Thema. Von Krankenversicherung, dem Irakkrieg, Steuerpolitik, Umwelt, der Wirtschaft. Everything. “ENOUGH”, rief er. Seine Wut perfekt dosiertet. Acht Jahre sind genug! 50 Minuten Rede ließen ein einziges, zentrales, einfaches Argument zurück: Enough! Dafür werde er kämpfen! Und er bot jene Klarheit, die Gore und Kerry fehlte. Die ihnen die Wahl kostete.

Am Medienparkplatz läuft ein TV-Schirm, wo sich die CNN-Moderatoren mit euphorischen Superlativen überschlagen. Daneben steht eine junge Afroamerikanerin und heult: “Nie dachte ich, so eine Stunde erleben zu dürfen”. Wie gehofft: Nach Obamas rhetorischem Triumph wird niemand mehr über das Säulenfiasko reden.

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