Print Friendly, PDF & Email

Meine Retter vom Britensender ITN “schmuggelten” mich um 2:15 Uhr in ihr kleines B&B-Hotel am anderen Ende der Bourbon Street. Mit ein paar Pölstern als Unterlage kauere ich mich für ein paar Stunden Schlaf im hölzernen Stiegenaufgang zusammen. Fast größer als die Sorge vor den herannahenden Killersturm ist die, vom Hauseigentümer, versehentlich für einen Einbrecher gehalten, erschossen zu werden… Die Briten hatten mich beruhigt: “Der ist ein netter Typ”.

Ich kanalisiere daher meine Nervosität auf das in Kürze losbrechende Inferno: Die nun an Stärke und Frequenz zunehmenden Windböen lassen das Gebälk krächzen. Immer wieder wird die provisorisch zugemachte Holztüre zum Balkon aufgerissen. Viel an Schlaf ist nicht zu denken. Dafür habe ich Flashbacks als Backpacker. Vor Sonnenaufgang geht es los: Das Zerbersten fallender Dachziegel ist zu hören, das Röhren des Windes. “Wie ein Frachtzug”, sagten immer alle meine interviewten Hurrikanaugenzeugen. Sie haben recht.

Der Sturm tobt in Wellen: Fast wie eine schaurig schöne Symphonie an roher Naturgewalt. Das Prasseln der waagrecht gegen die Fassade geschleuderten, dicken Regentropfen hört sich wie ein Trommelfeuer an. Um 6:09 Uhr geht der Strom aus. Ich muss mich mit meinen Stories beeilen. Die Cellphonetowers, über die ich ins Internet eingewählt sind, werden als nächstes ausfallen. Ich mache ein paar Filmaufnahmen mit der Snappy: Der Baum in unserem Hof biegt sich wild, am Himmel rasen Wolkenfetzen drüber. Richtig “bad”, sei das alles, sagt der Hausherr, der mich nicht erschießt sondern tatsächlich extrem hilfsbereit ist. Er warnt allerdings in alarmierenden Tönen vor derartigen Gefahren vor den Eisentoren seines Hotels: “Geht ja nicht nach draußen”, sagt er: “Die schießen auf alles was sich bewegt…” To be continued (wenn der Sturm durch ist).