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Es sind 44 Starklichtscheinwerfer, angeordnet zu einem Quadrat am Dach der Parkgarage gleich gegenüber von unserem Apartmentgebäude. Zwei Anlagen, versetzt angeordnet. Sie symbolisieren die Fussabdrücke der Twin Towers, ausradiert vor, am Donnerstag exakt sieben Jahren. Richtig! Wenn ich die Arbeiter beim Aufstellen der Scheinwerfer sehe, schießt mir in den Kopf: Die nächste 9/11 Anniversary. Es ist fast wie eine makabere, spätsommerliche Adventzeit. Motto: “Alle Jahre wieder…” Und wie die Adventbeleuchtung an den Straßenlampen ab Ende November strahlen die Nächte um den 11. September die Scheinwerfer in den Manhattan-Himmel.


Pressekonferenz der Developer: „Verwittern…“

“Wow, whats that”, fragt dann Maxwell immer. Eine genaue Erklärung des Horrortages, an dem er gerade Erbsengröße erreicht hatte, bin ich ihm noch schuldig. Er zeigte bisher wenig Interesse: In Sachen Geschichte ist Maxwell eher bisher in der Kreidezeit hängengeblieben. Die Rituale wiederholen sich in diesen Tagen – doch der Aufwühlfaktor, den die Jahrestage des Jumbo-Infernos zunächst mit sich brachten, nimmt kontinuierlich ab. Zu einem Level, der gut als Gleichmut bezeichnet werden kann: WTC-Developer Larry Silverstein etwa lädt da stets in seinen Wolkenkratzer “Building 7”, um Updates über den “Baufortschritt” zu liefern. Doch selbst an das blamable Schneckentempo beim Wiederaufbau haben sich die stoischen New Yorker gewöhnt. Immerhin durchbrach der “Freedom Tower” 2.555 Tage nach dem Kollaps der Zwillings-Türme das Straßenniveau. Dazu werden Fundamente drei weiterer Skyscraper betoniert. Wer angesichts der Wall-Street-Finanzmisere die Millionen Quadratmeter beziehen soll, bleibt abzuwarten. Und hastig wurde Tage vor der Gedenkfeier Nr. 6 für das großes “9/11-Memorial”, das mit den Wasserfällen und idyllischen Gedenkgarten, noch ein Stahlträger aufgestellt.

Das deutsche Bank-Gebäude steht nach dem Brand im Vorjahr immer noch unverändert in seiner morbiden Pracht am Südrand der “Ground Zero”-Grube. Die neue Taktik scheint zu sein: Verwittern! Wind und Regen dürften es wohl in Millionen von Jahren abtragen. Heuer ist Wahljahr: Barack Obama und John McCain sind beide in Town. Sie wollen das Wahlkampf-Kriegsbeil begraben, zumindest für diesen Gedenktag. Das scheint erfrischend, nachdem George W. Bush vor vier Jahren die Terrortragödie mit einem Parteitag 40 Blocks nördlich schamlos ausschlachtete. Ach ja, vergessen: Al-Kaidas Nr. 2, Ayman Al-Zawahiri, drohte wieder per Video. Zur Erinnerung, dass „Dead-or-Alife“-Bin-Laden immer noch die Killer von damals dirigiert.