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Bushs Ex-„Hirn“ Karl Rove war es rausgerutscht: Die Kür der Powerfrau vom Polarkreis Sarah Palin sei eine “kampagnenorientierte” Entscheidung gewesen. Kühles Kalkül: Die McCain gegenüber lauwarm eingestellte, ultrarechte Basis aus Waffennarren und Bibelbürgern konnte in Freudentaumel versetzt werden. Bei Wechsel-Wählerinnen sei durch Palins zweifellos bewundernswerter Rolle als berufstätige Fünffachmutter zu punkten. Durch Palins Arbeitsplatz zwischen Rentierherden und Ölpipelines konnte sogar ihr Boss, der seit 26 Jahren in D.C. tätige John McCain als “Wandel” fordernder Outsider neuverpackt werden (Yes! Lipstick on a Pig!).


Palin mit ABCs Charles Gibson: Bush-Doktrin?

Nur eine kleines Fußnötchen gab es wegzudiskutieren: Vize Palin könnte leicht auch im Oval Office landen, mit dem Nuklearkoffer der Supermacht herumlaufen. Ihr Präsidenten-Chef, sollte er ins White House gewählt werden, ist immerhin 72 Jahre alt. Die Republikaner warfen die Nebelwerfer an: Allein Gouverneur zu sein, stähle für wirklich „jeden Job“, auch US-Präsident. Kein besseres Training für die mögliche Rolle als Oberkommandierende der größten Streitmacht der Erde könnte sie als Chefin der meist schneeschaufelnden “National Guard” von Alaska haben. Und eine Metropole wie Wasilla, 9.000 Einwohner, aus dem scheunengroßen Rathaus aus zu dirigieren, bedurfte herausragender Management-Fähigkeiten. Und internationale Erfahrung? Ein Klacks! Laut McCains Gattin Cindy regiere niemand in den USA so nahe an Russland. In der Verbreitung der ungeheuerlichsten Aussagen und deren nimmermüden Wiederholung, bis zumindest irgendwer irgendwas glaubt, sind die Rechten immer große Klasse. Die Botschaft: Palin habe mehr Erfahrung als Obama! Palin habe mehr Erfahrung als Obama! Palin habe mehr Erfahrung als Obama! Palin habe mehr Erfahrung als Obama! Palin habe mehr Erfahrung als Obama! usw.

Doch danke, Charles Gibson! Dem populären Anchor des TV-Senders ABC gelang, die Republikaner-Charade zu beenden. Warum Team Palin ausgerechnet Gibson für ihr erstes TV-Interview auswählte, wird ein Rätsel bleiben: Denn der TV-Mann demolierte mit einer Barrage harter, in ruhigem Ton vorgetragener Fragen den Mythos Palin. Schmerzhaft offensichtlich wurde: Sie hat tatsächlich wenig Dunst von Außenpolitik! Gefragt, ob sie genug internationale Erfahrung habe, schwadronierte sie über Energiepolitik. Und außerdem könne man von Alaska aus „sogar Russland sehen“. Über die Bush-Doktrin präventiver Angriffskriege hatte sie keinen Schimmer (zur Erinnerung, Mrs. Palin, der Irakkrieg ist ein Baby dieser Doktrin…). Dann forderte sie die Aufnahme Georgiens in die NATO, ein für Moskau völlig inakzeptabler Schritt. Die endgültige Explosion das Kaukasus-Pulverfass sei da nur nebenbei erwähnt. Und anstatt die hypothetische Frage einer Russland-Attacke auf ein künftiges NATO-Mitglied Georgien als “eben hypothetisch” abzulehnen, versprach sie “militärischen Beistand”. Russland? USA? Krieg? Zehntausende Nukearsprengköpfe? Bumm? Bumm? Sarah Strangelove? Immerhin: Ihre Kirche glaubt ja, dass Alaska das Refugium während Armageddon wäre. Heimvorteil also. Sie gab weiters zu, noch nie einen Staatschefs eines anderen Landes getroffen zu haben. Und verstieg sich zur Behauptung: “Das wäre bei praktisch allen Vizekandidaten ja auch so gewesen”. Nope, Mrs. Palin! Zumindest seit 32 Jahre nicht. Sogar Dan Quale war im Vergleich ein Meistertänzer am internationalen Parkett. Sattelfest schien sie nur, als sie erklärte: “Ich bin bereit!”