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Alan Greenspan sollte sich rasch eine besonders einsame Insel als Zufluchtsort suchen. Einfach zum Abdampfen. Zum Abwarten, bis der Zorn hier einigermaßen verraucht ist. Und vor allem: Es sollte ihm dadurch jegliche Gelegenheit entzogen werden, weitere Kommentar abzusondern! Dass sich Amerika John McCains Fortsetzung der Steuersenkungen für Superreiche “nicht mehr leisten” könne, wie der Ex-Fed-Guru zuletzt erkannte, wirkt angesichts der hiroshimatisierten und inzwischen halbverstaatlichten US-Finanzindustrie als offensichtlich. Besonders auch da Uncle Sam sich den Überziehungsrahmen seiner nationalen Kreditkarte vom US-Kongress auf 11,3 Billionen Dollar raufsetzen lassen will. Und nachdem immer mehr schaurige Anekdoten illustrieren, wie knapp die Erde in der Vorwoche am finanziellen Armageddon vorbeischrammte: Donnerstag früh seien, so Händler gegenüber der NY Post, sell orders der als „ultrasicheren“ Money Market Funds im Gesamtwert von $500 Mrd. eingetroffen: Der Dow drohte auf 8.300 Punkte zu kollabieren. Erst eine Liquiditätsspritze der Feds verhinderte in letzter Sekunde die Kernschmelze.

Zurück zu Alan: Gut erinnern wir uns an das Wahljahr 2004! Trotz dem schon damals explodierenden Ausgaben für Bushs Irakdebakel knallte der – nach durchaus ansehnlichem Dirigieren der US-Finanzen durch die boomender 90iger, den Platzen des Tech-Bubbles und dem 9/11-Nachbeben hochangesehene – Greenspan sein Gütesiegel auf Bushs vom Gros der Finanzexperten als “ fiskalisch unverantwortlich” verdammten Steuersenkungen. Alan-Approved. Greenspans damalige, ehrliche Abrechnung mit Bushs verheerender Finanzphilosophie hätte vielleicht sogar John Kerry zum Sieg verholfen. Mehr noch: Der einst heilige Greenspan scheint nun, wie sich immer mehr Kritiker recht deftig zu Wort melden, zum Top-Sündenbock des Finanz-9/11 zu werden: Er hätte den Markt durch Zinssenkungen mit easy money überschwemmt, Warnsignale der sich abzeichnenden Immobilienblase („Irrational Exhuberance„, remember?) ignoriert – und vor allem von den selbstregulierenden Kräften des freien Marktes und der schönen neuen Welt wundersamer Risikoabsicherung durch immer kompliziertere Derivat-”Finanzprodukte” geschwärmt. Kurz: Er hielt Bush durch das Vorgaukeln einer boomenden US-Wirtschaft, angetrieben hauptsächlich durch den wachsenden Real-Estate-Bubble, den Rücken frei. Und alles passte auch sehr nett in Bushs Traum von der Eigentümergesellschaft, dem Codewort für weitere Vermögensanhäufung seiner Country-Club-Buddies.

Jetzt bleibt sogar sonst den gegenüber offensichtlchem Beschiss recht stoischen US-Bürger die Luft weg vor unbändiger Wut weg: Die Profite der Blasenjahre hatte die smarten Wallstreet-Banker brav unter sich aufgeteilt (wie etwa 38 Milliarden an Bonuszahlungen im Advent 2007 illustrierten). Jetzt sind die Taxpayer stolze Besitzer, Stand Montag, 22. September, 9:58 Uhr (schwer zu sagen, welche weitere Bailouts in den nächsten Stunden und Tagen folgen…) fauler Subprime-Mortages im Wert von mindestens $700 Mrd, den Hypothekarbanken Fannie Mae und Freddie Mac (je $100 Mrd) und dem Versicherungsgiganten AIG ($85 Mrd.). Das neue Kapitalimus-Motto, US-sytle: “Profite sind privatisiert, Pleiten verstaatlicht”. Und dass die frischgebackenen „Wall Street Commies“, wie etwa die CEOs der gestürzter Investmentbank Lehman Brothers, zumindest in eigener Sache Weitsicht bewiesen, zeigen brisante Unterlagen aus dem $600-Mrd.-Bankrott-Prozess in Lower Manhattan: Sieben Genies aus der Führungsetage hatten einen Bonus-Fund im Wert von $2,5 Mrd. eingerichtet, auf den nur sie Zugriff haben. Nun kassieren sie ab.