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Es ist schwer beim Furioso verheerender Wirtschaftsdaten, neuer Milliardenwünsche maroder Firmen, bankrotter Bundesstaaten oder kaputter Banken Luft zu holen. Estee fragte mich heute früh: “Wie viel wollen die Autofirmen jetzt? 50 Milliarden?” Keine Ahnung! Habe den Faden verloren. Frühstücksgespräche á la Amerika, Dezember 2008. Dennoch gibt es Dinge, die aus der Rezessionslethargie reißen: Obamas angeblicher $30.000-Ring als “Thank You” an Michelle zum Beispiel. Meine erste Reaktion war Schock und Skepsis: Ist der globale Hoffnungsträger gleich mehrerer Generationen plötzlich zum geschmack- und taktlosen Neureichen-Prolo mutiert, der seine Tussi-Gemahlin mit Klunker happy machen muss? Ist es der ultimative Affront eines prassenden Präsidenten, während er sein Volk zum Opferbringen aufruft? Zum Glück drückten diese bohrenden Fragen nur kurz aufs Gemüt: Die Story – in den Welt gesetzt von Briten-Tabloids á la “Daily Mail” (die irgendwelchen Hirngespinste des italienischen Schmuckdesigners Giovanni Bosco aufgesessen waren) und prompt quer über den Drudge Report geknallt – entpuppet sich als “Ente”, wie Team Obama kühl konterte. Bekanntheitsgrad von Giovanni Bosco 1, Internetjournalismus 0.


Bushs ABC-Interview: „Ooops, I did it again…“

Doch da war dann noch was, dieses “Sorry” vom abdankenden George W. Bush im jüngsten ABC-Interview. Leid tue es ihm, dass es so schlecht um die Wirtschaft stehe, Menschen ihre Jobs verlieren, dass er nicht “vorbereitet” war auf den Krieg, wie er ABCs Charlie Gibson leicht zerknirscht und mit reuigem Dackelblick ins Mikro säuselte. “Ooops”, würde Britney sagen: Hunderttausende Iraker tot, 4,207 US-GIs, 4,8 Billionen (ja “B” für sehr, sehr viel…) mehr an Staatsschulden, 8,5 Billionen (sorry, wieder B!) an Haftungen für Steuerzahler für immer neue Rettungspakete, 1,2 Millionen Jobs weg in den letzten 12 Monaten, den Ruf der wichtigsten Weltmacht zertrampelt durch Arroganz, Alleingänge und Folter. “Stuff happens”, pflegte einst sein widerlichster und arrogantester Rambo, der unsägliche „Rummy“, zu sagen. Und obwohl es mit nur noch 48 Tagen im Amt ja fast schon egal ist, schockiert nach wie vor das unzusammenhängende, dämliche, der englischen Sprache unwürdige Gestotter. “Nach acht Jahren im Job als mächtigster Mann der Erde brauchen wir immer noch einen Übersetzer”, schrieb NYDailyNews-Kolumnist Michael Goodwin.

Genau hinhören muss man auch aus einem anderen Grund: Bush will mit seiner letzten Interview-Offensive in Sachen Legacy die Geschichte umschreiben! Denn die Tragödien an allen Fronten während der letzten acht Jahre passierten alle eigentlich recht zufällig – während er im Oval Office saß. “So wie das Wetter, unbeeinflussbar”, wie MSNBC-Starkolumnist Keith Olbermann ätzte. Deregulierungen im Finanzsektor hätten schon Anfang der Neunziger begonnen. Take that, Dad! Und die CIA-Trottel hätten ihn vor der Irakinvasion über Saddams WMDs angeschmiert. Hang On! War es nicht exakt umgekehrt: Sollten die Geheimdienstler nicht oft an den Haaren herbei gezogene Gründe liefern für die längst beschlossene Saddam-Beseitigung?

Bush sieht sich – und das dürfte er wahrscheinlich sogar selbst glauben – als Befreier: “Ich habe 50 Millionen Iraker befreit und geholfen, dort den Frieden zu sichern”, erzählte er kürzlich einer recht freundlichen “Interviewerin”, seiner Schwester Dorothy. In so einer wohligen Familienatmosphäre blieb natürlich das Nachhaken auf der Strecke: Warum zum Beispiel blasen die Befreiten ihre Befreier immer noch mit fiesen Sprengfallen aus ihren Humvees?