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Ist es der Start einer neuen Arbeiter-Revolution? Jahrzehnte lang erduldeten sie brav jedes Verschiffen ihrer Arbeitsplätze nach Übersee im Dienste der Global-Village-Economy, schaufelten ihre Pensionsvorsorge im Dienste der “Mutual Funds”-Industrie brav in Portfolios (die jetzt am Ende des nächsten Finanzpyramidenspiels auch prompt pfutsch sind…), akzeptierten im Dienste globaler Wettbewerbsfähigkeit die mickrigsten Löhne, lächerlichsten Überstundenregeln und schleißigsten Krankenversicherungsdeals (wenn überhaupt!) – oder fanden sich mit Entlassungen im Dienste purer Profitmaximierung obskurer Wall-Street-Vehikel wie “Private Equity Firms” ab.


Arbeiter-Proteste in Chicago

Dann platzte Ende letzter Woche dann doch den Arbeitern der Fensterfabrik “Republic Windows and Doors” in Chicago der Kragen: 200 waren binnen Stunden ohne Vorwarnung entlassen worden. Die Geschäftsführung blieb obendrein Urlaubs- und Überstundengeld schuldig. Anstatt jedoch brav ihre Schachteln mit Arbeitsutensilien zu packen, blieben die Arbeiter am Fabriksboden sitzen. Seit vier Tagen harren sie fröstelnd, Protestplakate um den Hals in dem umgeheizten Gebäude aus. “Wir dachten, verhaftet zu werden”, verdeutlichte einer den generellen Zustand der totalen Einschüchterung von Amerikas Blue Color-Heeren. Jetzt belagern hunderte Reporter den Ort: Die Fabrik ist zum “Ground Zero” geworden des wachsenden Zornes über die Billionen für Wall Street, während einfache Arbeiter einen Tritt in den Hintern erhalten.

Die Layoffs, by the way, kamen zustande, da “Bank of America” der Firma neue Kredite verwehrte. Obwohl die Banker gerade 25 Milliarden Dollar an Steuergeldern erhalten hatten. “They got bailed out! We got sold out!”, stand auf Schildern. Die Arbeiter sind nun neue Helden eines Aufstandes, den einer demoralisierten Arbeiterklasse kaum mehr wer zugetraut hatte – und Stars im grellen Scheinwerferlicht der Medien: Barack Obama zeigte “Verständnis” für die Aktion, Bürgerrechtler Jesse Jackson verteilte Truthähne, der Staatsanwalt von Illinois kündigte eine Untersuchung über die Werksschließung an. “Wir schreiben Geschichte”, sagte eine Fabriks-Besetzerin stolz. Vielleicht ist es wirklich der Beginn einer Bewegung, wo einfache Bürger wieder ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen — und den Fängen entfesselter Finanzjongleuren entreißen.