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“Können wir nicht die Reise von Obama nach Hawaii covern?”, fragte mich Gemahlin Estee kürzlich. Ja, der President-elect lässt über die Weihnachtsfeiertage am Traumstrand Kailua die Füsse in den wohltemperierten Pazifik baumeln. Und nein, Estee, das ist keine Story, für die mein Headquarter Vorortrecherchen über 12 Zeitzonen hinweg als notwendig erachten würde.


Gloomy Days in New York: Kein Obama-Assignment in Hawaii…

Doch die Frage war verständlich: Seit Tagen ist die Sonne verschwunden, ungewöhnlich für das im Winter brutal kalte, doch sonst sonnige New York. Ebensolange hat der Himmel seine Schleusen geöffnet, nachdem eine Sturmfront von der Karibik bis Neufundland an der gesamten Ostküste wütet. Kein für den Advent stimmiges Schneeflockengetreibe (das gab es heute in New Orleans und Houston, I swear!), sondern Schnürlregen bei 4 º C. Mit all den tiefhängenden Wolken scheint es um 11 Uhr hell zu werden – und um 14 Uhr finster. Wie gelassen das Eingesperrtsein in Apartment 30D die Kids Mia (15 Monate) und Max (6) nehmen, darf erahnt werden. That´s the season to be jolly, la, la, la, la.

Dazu ist das Studium der Nachrichten inzwischen Paxil-pflichtig, besonders an der Jobfront: Mit praktisch niemanden kann mehr ein Gespräch geführt werden, der nicht Leute kennt, die ihre Kartons packen mussten. Apokalyptisch scheint die Kernschmelze im Medienbereich: Das Medienkonglomerat Tribune ist pleite (samt L. A. Times und 23 TV-Kanälen), die NYT im Wanken, nachdem sie zwecks Kreditaufnahme auf ihren eigenen Büroturm eine 200-Millionen-Dollar-Hypothek aufnehmen hatte müssen. An einem anderen Tag wurden beim lokalen Channel 4, WNBC, gleich vier Anchors gefeuert. Eine Kollegin erzählte mir, dass bei der Zeitung Newsday alle Fotografen gekündigt wurden – und sich fortan nur mehr Videografen bewerben können. “Niemand kennt sich wirklich aus”, sagte sie. Doch Sinn würde der Schritt bloß machen, wenn die Zeitung komplett ins Web übersiedelt.

Seit 1999 erlebe ich bereits die dritte Rezession. Doch diesmal scheint es anders – reeller, dramatischer als nach dem Platzen des Internet-Bubbles und 9/11: Unübersehbar ist der Mangel an Christmas Shoppers. Kürzlich trafen wir einen Freund im Kelley Ping, eine recht coole, asiatische Suppenküche in Soho. (Früher stürzten wir mit ihm und seinen kultigen New Yorker Freunden durch die Bars des East Village, jetzt konnten wir nicht mal exakt feststellen, wann wir uns zum letzten Mal trafen: Zwei Jahre? Drei? Thanks Kids!) Flott marschieren wir die Prince Street entlang. Sonst ist hier im Advent ein Gedränge wie bei der Hadsch in Mekka. Vorbei am “Prada Flagship Store”, das einst Rem Koolhaas am Höhepunkt der Exzesse um $30 Mio einrichtete: Praktisch Empty! Vorbei am Apple-Store ein paar Meter weiter: Fast niemand! Der Handel fürchtet wohl nicht zu unrecht das Shopping-Armageddon.

Dennoch durchbricht eine Story den Doom & Gloom: Joshua Persky, ein gefeuerter Finanzberater, der mit einer umgehängten “For Hire”-Tafel monatelang durch New York zog und den ich im Oktober interviewte, hat tatsächlich einen Job gefunden, stand in der NY Post. Mit Topgehalt wurde er von der Accounting-Firma Weiser LLP angeheuert. Die Ausdauer und Entschlossenheit machte sich in seinem Fall bezahlt.