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In gespenstischen Videos des Kults Scientology aufzutauchen, mitunter auf Sofas auf und ab zu springen, oder Matt Lauer über L. Ron Hubbards Weisheiten zur Bewältigung des Baby Blues zu belehren ist ein Sache. Doch im Umgang mit der Presse ist Tom Cruise ein echter Profi – was ich bei seinem Auftritt zur Präsentation seines jüngsten History-Pics “Valkyrie” (Operation Walküre) über Hitler-Attentäter Stauffenberg selbst bestätigen kann. Ausführlich und präzise beantwortet er im “Mirror Room” des Manhattan-Hotels “Regency” unsere Fragen – meine eigene gleich sieben Minuten lang. Erfrischend im Vergleich zu anderen, recht abgehobenen Hollywood-Stars, die prompt jeden kleinen Fehler mitunter unbeholfenerer Euro-Reporter zynisch ausschlachten. Ich sage dazu nur: “American Gangster”.

Selbst nach dem offiziellen Auftritt – wo Cruise im schwarzen Rollie und junggepflegten Antlitz flankiert ist von einer gleich 12-köpfigen Phalanx aller Schlüsselfiguren des Mammut-Filmprojektes – nimmt er sich Zeit für weitere Fragen, unterschreibt Filmplakate, lässt sich geduldig mit einem Spanier fotografieren. Seine Publizisten-Entourage wird immer ungeduldiger: “We really have to go now”, flehen sie. Während Cruise nun bereits – Tabu! Tabu bei Star-Junkets! – über seine Gefühle als Vater und Familienmensch philosophiert.

Und der Film? Groß war das Wehklagen im aufgeregten Deutschland: Ihr einziger Held während der Nazi-Zeit völlig verkitscht von Hollywood auf Kinoleinwände rund um die Welt projiziert? Dargestellt von Tom Cruise? Also das ist doch! Nun kann sich das Ergebnis sehen lassen – und das deutsche (und österreichische) Schlaumeiertum froh sein, dass einer der wenigen Lichtpunkte während der Nazigräuel nun 64 Jahre später mit einer soliden Cruise-Performance und als packend inszenierter Thriller derart positive PR erhält.