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Amerika ist offline. Niemand mehr zu Hause. Ich versuche jemanden bei meiner Kabelfirma RCN zu erreichen. Ich zahle plötzlich $105/Monat, bloß für Kabel-TV, kein HBO oder andere Extra-Pay-Kanäle (längst abbestellt, nachdem die die gleichen Filme in Endlosschleife präsentieren…). Nach 19 Minuten fröhlichem RCN-Tralala werden mir meine Handy-Minuten zu wertvoll. Ich starte via Skype von vorne: Nach 27 Minuten – ich schreck mich fast! – hebt “Julius” irgendwo am indischen Subkontinent ab. Die plötzlichen, zusätzlichen $30 resultierten aus einem „abgelaufenen Promotion-Sonderpreis“. “Gut”, antworte ich Julius, “dann würde ich vorschlagen, mich auf eine andere Promotion zu setzen – weil mir die $100 einfach zu viel sind, und ich nach zehn Jahren mit RCN mein Service abbestellen müsste…”.

Above Juliuses pay grade! Leider kann er da nichts machen… Supervisor, please! Sorry, die sind alle beschäftigt. Ob ihm klar ist, dass er gerade einen Langzeit-Kunden los wird? Leider, leider, nichts zu machen. RCN hat offenbar die Entscheidung getroffen, mit dem Auslagern des Customer Service nach Übersee ein paar Dollar zu sparen und elegant Kunden loszuwerden. Die Preispolitik passt dazu: Wer hat inmitten einer Megarezession über 100 Dollar für lausige Kabelkanäle übrig?

Inzwischen arbeitet aber auch die Stadt New York mit mir an ihren eigenen Budgetproblemen: Meine Auto-Mietfirma ZIP Car hat mir $72 an „Parkgebühren“ in Rechnung gestellt. Auch bei denen dürften nicht mehr viele Mitarbeiter tätig sein. Zehn Minuten hänge ich nun am anderen Telefon in der Schleife: Ich habe nirgends geparkt, beteuere ich. Damn! Es war eine Rotlicht-Kamera. Sie schicken mir die Bilder. Jetzt kann ich mich auch erinnern. Mist! Aber immerhin habe ich zur Reparatur der Brooklyn-Bridge beigetragen, an deren Einfahrt es blitzte. Patriotische Gefühle kommen auf.

Währenddessen wird es kalt in unsere Wohnung: Das antiquierte Heizaggregat, das im Winter viel Lärm und Stromkosten von $150/Monat verursacht, streikt. Ich warte seit den Morgenstunden auf den Handyman von unten (vielleicht sind die ebenfalls schon wegrationalisiert…). Und auf einen Rückruf der Hauseigentümer-Firma, die mir, bevor ich meinen Mietvertrag verlängere, ein kleine Frage beantworten sollte, warte ich seit 29. 12.. Trotz Email und mehrmaliger Messages. Muss wohl an den Feiertagen liegen. Oder vielleicht sind es die paar Dollar, die ich monatlich dort hinüberweise, nicht wert… Besonders in einem derart heißen Immobilienmarkt wie dem von New York in der Post-Wall-Street-Crash-Ära. Ich bin nun als Konsument, der Amerikas Wirtschaft retten soll, bereits ein wenig erschöpft.

Ach ja, ein neues Kabel-TV muss her: Ich rufe Time Warner an. Es rauscht in der Leitung gewaltig. Vielleicht haben die ihr Sales Department auf den Mars ausgelagert! Eine gelangweilte Dame, die um Himmels Willen nichts mit Verkaufsangelegenheiten zu tun haben sollte, rattert monoton Preise und Pakete runter. Auf meine wenigen Fragen reagiert sie irritiert. Sorry, will Sie nicht nerven, Maaahhm! Was solls, ich habe keine Wahl: Wäre ich kein Korri, hätte ich den immergleichen TV-Dreck auf 450 Kanälen mit Werbeblöcken alle 1,5 Minuten längst komplett abgemeldet. Die $30 Installationsgebühr will sie mir, Mr. Neuer Kunde, auch gleich gar nicht nachlassen. Ich bestelle. Fühle mich geschlagen… Und wegen dem Handyman muss ich – bibbernd – auch anrufen, bevor die Kids heimkommen.