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Irgendwas haben wir wohl falsch gemacht. Der Schlaf kommt eindeutig zu kurz, bei allen Beteiligten – den Kids Maxwell (6) und Mia (1), und natürlich bei deren Eltern. Klar, hat es in den “What to expect”-Kinderbedienungsanleitungen geheißen: Sleeptraining ist eine tolle Sache. In die Krippe mit dem meckernden Bündel, ein paar Tage brüllen lassen. Und dann pennen sie die Kleinen, gleich die ganz Nacht durch. Bloß Max hörte nicht auf zum Brüllen. Er hätte sich wohl eher in die Bewusstlosigkeit als ins Schlummerland geplärrt. Und wir hatten zu viel Mitleid. Oder zu wenig Nerven. Immerhin: Alt genug, so vier Jahre alt, verließ er dann fast freiwillig unser Bett. Wir scherzten immer: “Hoffe, er schafft es, bevor die ersten Girlfriends antanzen…”

Bei Mia haben wirs erst gar nicht richtig versucht. Die Auswirkungen sind freilich verheerend, mitunter fast tragikomisch. Bereits letzten Sommer schafften wir unseren „Turboschläfern“ ein Stockbett an: Mia unten, Max oben. So startet auch der Abend. Mia schlummert dort, wenn Max, der natürlich später abtaucht, sie nicht beim endlosen Weiterblättern in seinen Pokemon-Bibeln weckt. Wir fiebern natürlich dabei “live” via Baby-Monitor mit.

Mia endet dann meist so gegen Mitternacht in unserem Schlafgemach. Entweder teilt sie per Sirenengeheul mit, dass sie geholt werden will. Oder das leise Tappen ihrer Minifüße kündigt an, dass sie sich selbst auf den Weg gemacht hat. Das ist meist die Zeit, wenn Daddy nun Schlaf in Mias Bett, gleich unter Max, sucht. Mit einem Arbeitsbeginn um 6:30 Uhr habe ich immerhin einer gute Ausrede fürs Desertieren von der Toddler-Front. Denn Mia hat noch viel vor: Meist zwei Stunden, so von 1 bis 3, oder 2 bis 4, oder 3 bis 5 Uhr, legt sie eine Spielphase ein. Oft marschiert sie, fast wie der Poltergeist von 21 West, durch die finstere Wohnung. Sie ist kein ängstliches Kind, das steht zumindest fest. Natürlich weckt sie manchmal auch Maxwell, der dann die Wohnung so um 3 Uhr mit einer Festbeleuchtung überzieht und sich ans Werk macht. Beim Herumwälzen höre ich Geräusche eifrigen Werkens. Was macht er? Plant er in einem napoleanischen Anfall die Invasion Russlands? Knackt er einen CIA-Code? Er (stolz) kommt zurück und präsentiert mir (verschlafen) eine erstaunlich detailgetreue Filzstiftzeichnung eines seiner Lieblingspokemons. Es ist jetzt 4:05 Uhr.

Doch mitunter kann auch, so geschehen letzte Nacht, selbst Maxwell nicht schlafen. Dann fährt er um 0:30 Uhr aus dem Bett hoch und brüllt “No!!!”. What the h…? Hat ein Monster in seinem Alptraum seine Pokemon-Karten gefressen? Er beginnt sie lautstark zu sortieren. Ich schnappe mir die Decke und flüchte auf die Couch im Wohnzimmer. Dort gibt es dann ein wenig Schlaf. Bis Mia vorbeischaut: “Da bbbeee, duu de da?” Absolut. I love you too. Und schlafen werden wir im nächsten Leben.