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Is Change hard? Diese Frage galt es in der Politsendung auf MSNBC zu diskutieren. Das schockierende Faktum: Obama ist seit fast drei Wochen Präsident, und D.C. ist immer noch das dysfunktionale Wirlpool epischer Feindschaft zwischen den Lagern, ungebändigter Eitelkeiten und fragwürdiger Backroom-Deals. Drei Wochen. Und kein Change! Obama hat versagt! Sein wichtigstes Wahlversprechen gebrochen! Und das schon nach drei Wochen. Der Kreis schließt sich. Mit wirklichen Erstaunen stolperte ich über eine regelrechte Abrechnung mit dem neuen Präsidenten des sonst eher gemäßigten Kolumnisten Michael Goodwin in der Daily News. Das Argument ging zirka so: Obama hätte keine Brücken gebildet, die pragmatische Zusammenarbeit mit den Republikaner beim Schnüren des 800-Was-Immer-Milliarden-Dollar-Paketes verweigert, sei arrogant, weil er wagte, festzustellen, dass er die Wahlen gewann und die Amerikaner dadurch für einen Kurswechsel votierten. Dann würde Obama die Debatte um das Stimulusprogramm abwürgen, Angst schüren vor einem Wirtschafts-Armageddon.

Genau wie Bush! Kein Change also. Wie Bush? Excuse me? Das Erinnerungsvermögen ist eine recht selektive Sache, Mr. Godwin: Hatte Bush nicht mit dem Fantasieren von Atompilzwolken über US-Metropolen für Panik gesorgt, um einen, beim Al-Kaida-Terror unbeteiligten Staat zu überfallen? Und ist es nicht so, dass Obama hier bloß die Warnungen praktisch jedes ernstzunehmenden Ökonomen des Planeten wiederholt, wonach wir ohne rasche Konjunkturspritze Mitten in den Dreißigern landen? Zuletzt berichtete eine Arbeitslose im US-TV, dass in ihrer Straße nun praktisch alle ihren Job verloren haben – und eine Familie nach Mexiko zog, weil dort das Leben billiger ist. Jetzt emigrieren die Amerikaner nach Mexiko.

Erinnern wir uns, wie es wirklich war in den letzten Tagen: Obama gab bei den Verhandlungen den Republikanern Steuersenkungen, servierte ihnen Drinks im White House, besuchte sie am Kapitol, machte einen ihre Betonköpfe sogar zum Handelsminister. Die Antwort: Kein einziger Konservativer stimmte im “House” für das Paket. Nicht einer. Sein Ex-Rivale John McCain, mit dem Obama ebenfalls im Dienste der Überparteilichkeit dinierte, stieß ihm bei erster Gelegenheit das Messer in den Rücken: Steuersenkungen für Betriebe und Reiche, brauche die Nation jetzt, beharrte der. Warum soll auch bei einem Job-Verlust von 3,6 Millionen in 14 Monaten, einem Budgetdefizit von einer Billion und einer Staatsverschuldung von 11,4 Billionen der Kurs gewechselt werden? Dass Obama angesichts dem Setzen auf längst widerlegte Strategien und der ideologischen Unbelehrbarkeit der Rechten die Debatte um den Stimulusplan – so unperfekt der aus dem byzantinischen Kongress-System auch herauskommen wird – kurz fassen will, ist nachvollziehbar: Je länger die Republikaner mit ihrer sehr effektiven Lügenpropaganda (á la Lindsay Graham, der behauptete, Obama arbeite nicht an dem Paket…) und die US-Medien beim totalen Hyperventilieren, wann jetzt endlich der Change stattfinde, Zeit haben, desto geringer sind die Chancen auf Verabschiedung der Maßnahmen. Leider. Aber so funktioniert D.C.. Und Obama weiß es. Zuerst muss er die Wirtschaft retten. Das Umkrempeln Washingtonistans kommt danach.