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Zufrieden sah Obama bei der Unterzeichnung seines $787-Mrd.-Konjunkturpakets in Denver aus. Der junge Chef einer Solarzellen-Firma Blake Jones brillierte als Vorredner: Er erläuterte, wie seine Firma Namaste Solar von drei auf 50 Angestellten wuchs in drei Jahren, wie seine Produkte den Kunden Geld sparen, Amerika vom Öl unabhängig machen, das Klima schützen und sauberere Luft bescheren. “Und das alles auf einmal”, so Jones. Obama folgte, erklärte, warum er ins Öko-freundliche Denver reiste zur Paraphierung des 1.061 Seiten dicken Gesetzeswälzers. Er sprach von einer neuen Wirtschaft, einer grüneren, sozialeren, gerechteren, vom Amerika der Zukunft, mit Hochgeschwindigkeitszügen und globaler Leadership in neuenm klimafreundlichen Technologien.


Obama: Der Beginn vom „Ende der Krise…“

Das Programm werde die Rezession nicht über Nacht beenden, so Obama, doch es stelle den “Anfang vom Ende der Krise” dar. Obamas Paket ist viel mehr, als bloß Unmengen an Geld in die Wirtschaftskrisenbekämpfung zu schütten. Es ist eine Blaupause, wie er die US-Wirtschaft umkrempeln will: Investiert wird in Zukunftstechnologien, den Klimaschutz, die Reparatur der desolaten Infrastruktur, wegen der Amerika längst als Drittwelt-Staat verlacht wird, den Ausbau des Nahverkehrs, Bildung, Forschung, den Gesundheitsbereich. Und auch das Sozialnetz soll massiv gestärkt werden. Kein Wunder, dass die Republikaner ausflippen! Von einer “Europäisierung Amerikas” zitterte der stets solariumgebräunte Betonkopf Boehner. Well, Mr. Boehner, die Resultate der Amerikanisierung Amerikas, begonnen von Ihrem Idol Ronald Reagan, sind ja nun bestens bekannt.

Klappt Obamas Plan, ist er auf Kurs für eine erfolgreiche Präsidentschaft bis 2016 (so wie bei Bill Clinton, der mit seinem Paket 1993 das Fundament zu seinem “Wirtschaftswunder” legte, das ihm trotz Monicagate hohe Popularität bis zu Ende bescherte).

Und Obama schaffte das alles in 28 Tagen. Mit der legendären Coolheit und Zielstrebigkeit ignorierte er die wilde Schaumschlägerei in der US-Kapitale, schickte Stabschef “Rahmbo”, Rahm Emanuel, als Vollstrecker zum Kapitol. Die versprochene Ära der Überparteilichkeit blieb beim knappen Sieg im Senat zwar auf der Strecke. Doch Obama waren die Grundprinzipien seiner Wirtschaftsstrategie wichtiger. Maybe next time, Boehner!

Auch frühe Kritiker hat er komplett depürt: Seit Stunde Null der Obama-Ära hatten die Talkingheads auf den Kabelkanälen jede freie Minute, die neben Blago– und Burris-Gate noch übrig blieb, mit Obama-Doomsday-Palaver zugebracht: Wie Obama die öffentliche Debatte um das Konjunkturpaket entglitten sei, wie die Republikaner mit ihrer zynischen Blockadepolitik erfolgreich seien. Wie Obama versagte, Change nach D.C. zu bringen. Ha! Ha! Mr. Obama goes to Washington, beißt sich am System die Zähne aus, verliert seine Anhänger. Tolle Story. Newt Gingrich sah bereits die Zeit gekommen, ihn in die Jimmy-Carter-Versager-Schublade zu stecken. Talk ist billig: Keiner der anwesenden TV-Moderatoren würde ihn fragen, ob er nun völlig durchgeknallt sei.

Und mit Obama zur lahmen Ente erklärt, standen gleich wirklich wichtige Dinge an: Ob etwa Sarah Palin gegen ihn 2012 in die Wahlschlacht zieht? Jetzt rudern viele bereits zurück, gestehen ein, dass er vielleicht ein wenig zu früh abgeschrieben worden war. Hitzköpfe! So frustrierend es für euch ist: Die Obama-Präsidentschaft hat gerade erst begonnen.