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Sollte unser Ausgabenverhalten symptomatisch sein, steht es ums Ankurbeln der kaputten Wirtschaft schlecht: Wir haben uns regelrecht eingebunkert, alle Ausgabe auf das Notwendigste reduziert. Sogar unsere üblichen Weekend-Brunches werden jetzt kurzerhand im Wohnzimmer ausgetragen – als wir am Sonntag etwa unsere Freunde einluden (siehe Foto). Die Kostenvorteile sind überzeugend: Die Flasche Wein kostet im „At Home“ weniger als ein Glas davon in Restaurants. Ja, $9 kostet der kostbare Rebensaft im Schnitt. Und nein, mit dem kann man nicht telefonieren und es schwimmen keine Swarowksi-Kristalle drinnen. Attention Gastgewerbe: Die Zeiten für eine derartige Abzocke sind vorbei! Immerhin: Die Kids hatten mehr Auslauf für ungehemmtes Herumtoben. Auch wenn der Lagerkoller bereits leicht durchschlägt: Beim Upload der Bilder stelle ich fest, dass Maxwell 75 Fotos von seinen Pokemon-Karten anfertigte (gut, dass das digital nichts mehr kostet…). Und Mia sitzt sowieso der öfteren in ihrem Stroller bei der Türe – und wartet auf ein Outing…

Vielleicht verderben mir die jobbedingten, täglich ausgiebigen Intervalle düsterer Kabel-TV-Newsberichterstattung von der Wirtschaftsfront den Appetit aufs Spending. Denn es gibt keinerlei Sicht auf eine Talsohle in dem kaskadenartigen Jahrhundertcrash: Meist folgt nach einer kurzen Verschnaufpause, wohl zum Verarbeiten der deprimierenden Fakten der letzten Runde an Katastrophenmeldungen, prompt der nächste Sturz. Der Dow tritt inzwischen eine rückwärtige Zeitreise an. “The Curious Case of Wall-Street-Investing”: Mit dem Freitagstand sind wir zirka beim Stand des Jahres 1997 angelangt, in den Clinton-Jahren kurz vor Monicagate. Vielleicht rasseln wir in den nächsten Tagen die Bush-I- und Reagan-Jahre hinunter und landen bei Jimmy Carter in der 70igern (obwohl das mit 1.000 Punkten wirklich eine veritable und kaum denkbare Katastrophe wäre).

Ein ganzes Jahrzehnt liegt jetzt hinter uns, in dem Armeen gebührenkassierender Finanzberater Millionen Anlegeren die Mantra vorkauten, dass beim LANGFRISTIGE Investieren in die Aktienmärkte ja nichts wirklich schief gehen könne. Jetzt wissen wir: Kurzfristige Profite schöpfte die Branche ab. Auf den Verlusten bleibt der Investor sitzen. Langfristig. Permanent. Was soll sich jemand denken, der im Sommer 2007 eine Citibank-Aktie um $50 kaufte. Makaber war es für den schon, als das Papier so viel wert war wie ein Happy Meal bei McDonal´s. Jetzt kostet es so viel wie ein Cheeseburger. 40 % wollen die Feds nun an dem gigantischen Bankenkadaver übernehmen, praktisch eine Verstaatlichung.

Zu uns Konsumenten: Wir sollen sparen, um uns selbst vom finanziellen Untergang zu retten, wie Privatfinanz-Guru Suze Orman jetzt predigt – und gleichzeitig fest einkaufen gehen, um die Wirtschaft zu retten. Und das ist genau das Dilemma: Wie sieht eine solche Wirtschaft aus, wenn sie fortan ohne Spekulationsblasen auskommen soll – und wenn Staaten wie Bürger nicht mehr permanent über ihre Verhältnisse und auf Pump leben? Und solange sich hier keine Konturen abzeichnen, werden wir jeden Dollar vor dem Ausgeben dreimal umdrehen.