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Ich sitze am Klo in der Hospitality Suite, Nr. 1216 im New York Ritz Carlton am Central Park – und draußen höre ich bereits Julia Roberts reden. Natürlich schießt mir gleich in den Kopf, dass etwas “wrong” sein muss mit dem “picture”, wie man hier so gerne sagt. Lange habe ich mit Kollegen auf Julias Eintreffen an diesem Samstag Nachmittag gewartet – und natürlich kam sie gerade, als mein Austreten dank des reichlichen Soft-Drinks-Konsums unausweichlich geworden war. Als ich in das Zimmer hetzte und etwas verlegen “Sorry, Julia” stammle, schnappt Pretty Woman auch gleich zu: “Latecomer!” Zuspätkommer! Guter Start.

Dabei hatten wir bereits vorher in den Pausen zwischen den Interviews mit dem Regisseur des Wirtschaftsspionage-Thrillers Duplicity, Tony Gilroy, sowie Roberts-Filmliebespartner Clive Owen vor dem oft recht harschen Stil der Hollywood-Diva, vor allem gegenüber Korris, gezittert. Ein Kollege war als Zeitzeuge prompt dabei, als sie nach dem Film Erin Brockovich eine Gruppe an Weltreportern wegen Fragestellung, Akzent und Auftreten durch den Reißwolf drehte. Das Magazin Rolling Stone hielt die Ausfälle in einem legendären Beitrag fest, der Zickenalarm hallte heftig um den Globus. “Danke für den Ausführungen”, scherze ich: “Wir sind jetzt alle offiziell entnervt!”

Doch die Sorge ist unbegründet, wir haben sie am richtigen Fuß erwischt – oder sie ihre drei Kids und die recht skandalfreie Romanze mit Daniel Moder weichgespült. Sie ist stilvoll, dezent gekleidet in Armani-Strickweste, Rick-Owens-T-Shirt, schwarzer Hose. Auch Schmuckstücke sind spärlich eingesetzt. Der Stress als Mutter von drei Kleinkindern ist ihr kaum anzumerken, die 41 Jahre dank offensichtlichen Fortschritten bei Kosmetikprodukten ebenso nicht. Roberts, die nach der Baby-Pause wieder präsenter auf der Kinoleinwand sein will, plaudert dann recht freizügig über die allgemeine “Peinlichkeit von Sexszenen”, wo sie sich jedoch wenigstens mit Freund Clive in den Pausen über Tricks beim Erdnussbutterbrotstreichen für die Kleinen unterhalten konnte. Sie schwärmt über Barack Obama, philosophiert über das Altwerden in Hollywood und freute sich sogar über die Megabrüste dank dem Stillen von Klein-Henry. Und meinen Fehlstart hat sie mir auch nicht nachgetragen.