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Es ist immer wieder verblüffend. Ich sitze im Taxi am Weg zu einer Story in Providence, Rhode Island – und unterhalte mich mit dem Fahrer über “Wealth Creation” und “Destruction”. Er ist um die 50, redet wie ein Mafiosi in den Sopranos und ist offenbar froh, dass wir bald nach dem üblichen Small Talk zum Thema Obama gelangen. Es stellt sich natürlich rasch klar, dass der Mann ein strammer Republikaner ist. Er hält jetzt einen Vortrag, wie Obama jetzt das Land zerstöre mit seinen Steuererhöhungen und was ihm sonst noch seine “Commie”-Berater alles so zuflüstern.

Ich versuche einzuwerfen, wer in den letzten acht Jahren die Supermacht in den Totalbankrott führte, doch Mr. Cabdriver ist längst bei seinem offensichtlichen Lieblingsthema angelangt: Der Vermögensvernichtung, die Obama jetzt vorantreibe. How is this possible? Wie kann ein Taxler, der sein Leben lang durch verschiedene Levels eines sicher harten, amerikanischen Mittelstandslebens herumkurvt, sich den Kopf zerbrechen, dass Superreiche fortan ohnehin nur einen Bruchteil ihres Vermögens beisteuern sollen? Besonders auch nachdem Obama für den Mann nichts als Steuer- und sonstige Erleichterungen parat hat. Und ganz besonders, nachdem in die letzten Monaten so offensichtlich wurde, wie die Wealth-Creators bloß in eigener Sache tätig wurden – und gleich die Weltwirtschaft an den Rand des Ruins führten.

Offenbar hört er gerne den strammen Radio-Talker Rush Limbaugh, der seine zentrale Botschaft wiederkäut: Nur wenn die Reichen so richtig reich sind, geht es Amerika gut. Meine befreundete Kollegin Evie in L.A., die schon seit den Achzigern in den USA lebt, versucht eine Erklärung: “Jedem wird hier eingeimpft, selbst einmal Millionär werden zu können?” Deshalb scheint auch die regelrechte Panik so groß vor einer “Europäisierung Amerikas”, wie zuletzt Kongress-Betonkopf John Boehner mit Weltuntergangsmine warnte. Natürlich: Das konstante Leben ohne nennenswertes Auffangnetz ist wahrscheinlich für Zupackermentalität, Flexibilität und Erfindergeist der Amis mitverantwortlich. Auch deshalb dürften sie sich von dieser Krise schneller aufrappeln als der Rest der Welt. Gut erinnere ich mich an ein Gespräch mit einer Bekannten über die krassen Gegensätze zwischen arm und reich in New York kurz nach meiner Übersiedlung. “Ich wünschte, New York liege in Europa”, sagte sie. Ich antwortete: “Ja, aber dann wäre es nicht New York…”