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Die intensiven Sekunden bei Obamas jüngster Pressekonferenz symbolisierten perfekt das Verhältnis zwischen dem neuen Starpräsidenten und der hyperventilierenden Polit-Presse: “Warum hat es so lange gedauert, bis sie eine Stellungnahme zum AIG-Skandal abgaben”, wollte CNN-Reporter Ed Henry mit inquisitorischem Ton wissen. Obama, der in seiner insgesamt etwas unterkühlten, einstündigen Performance zur Primetime hier das einzige mal Emotionen zeigte, konterte: “Ich erachte es als angebracht, mich zuerst zu informieren, bevor ich den Mund aufmache!” Henry setzte sich nieder, fast lief er ein wenig rot im Gesicht an.

Obama frustriert die selbstverliebte Hauptstadtpresse zusehends, da er partout bei ihren Tempovorgaben nicht mitmachen will. Mit den 24/7 glühenden Blogs und minütlich neuen Riesen-Headlines auf Internet-Newsportalen wie HuffPost oder Drudge werden die Newszyklen immer kürzer. Was eben noch Topstory ist, versinkt zwei Stunden später im elektronischen Mediennirvana. Der AIG-Skandal war das beste Beispiel. Dass Obama ihn fast drei Tage nicht kommentierte, erschien in der Nachrichtenwelt, als wären Jahre vergangen – und wurde sofort als Versagen gewertet: Sein ersten „schweren Fehler“ hätte er gemacht, sagten TV-Reporter aufgeregt auf. Sogar Bushs Verpennen des Horrorhurrikans Katrina wurde als Vergleich bemüht, jede Nuance oder Diskrepanz in den Aussagen von Obama und seinem Team in den Kabelkanälen breitgetreten.

Doch Obama wählt beim Regieren offenbar sein eigenes Tempo: “Langsam” und “stetig” ist der Stil, schrieb die AP fast resignierend, er nehme sich für Dinge so lange Zeit, wie er es für nötig hält. Ein Quotenkiller für die Medien, doch hoffentlich ein Segen für uns alle (und welch ein Change zur Bush-Ära anyway, wo das White House statt zu regieren lieber über hole PR-Phrasen brütete). Sogar als Schildkröte war Obama am Polit-Blog The Page zu sehen.

Dabei ist witzig, dass die Presse bei der kritischen Obama-Berichterstattung längst die Polit-Opposition links liegen gelassen hat: Die GOP ist zu einer derart lächerlichen, untereinander zankenden, von Radiotalkhohlkopf Rush Limbaugh angeführten Stümpertruppe verkommen, dass es ihre Traden gegen „Commie Obama“ kaum mehr in die Mainstreampresse schaffen. Für Spannung sorgt nur mehr das Match Obama vs. Obama, Schaden kann ihm offenbar mangels ernstzunehmender Politkontrahenten nur mehr er selbst zufügen – wie etwa mit dem misslungenen Witz auf Jay Leno über sein “Behindertenolymiade”-taugliches Kegelkönnen oder dem Weglachen der Wirtschaftskrise während eines 60 Minutes-Interviews.