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Ich wusste gleich, was das Röhren und Brummen in der Ferne zu bedeuten hat: Die Biker sind wieder da! Alle paar Monate verlassen sie ihre Trailer-Siedlungen in den Kernzonen des Hurrapatriotismus und lenken ihre röhrenden Gefährte in Sternfahrt gen New York. “Tribute for Ground Zero”, oder so ähnlich, nennen sie den lärmenden Trip. Was als Geste an die Terroropfer verkauft wird, gleicht eher einer neuen Attacke – gegen eine Stadt, die ohne die Hilfe fettleibiger Hohlköpfe auf rollenden Dezibell-Schleudern die Tragödie vor fast acht Jahren meisterte. Und die jetzt als Mekka kriegslüsternder, Bush-liebender, über das Irak-Gemetzel frohlockender Racheengel gerne verschont bleiben will. Und ganz besonders an einem Sonntag, wo der Dauerlärm der Arbeitswochen eine kurze Pause einlegt.

Ich war gerade am Rückweg mit der bereits im Stroller schlafenden Mia, als mir der Biker-Konvoi die Überquerung der West Street versperrt. Endlos rollen US-beflaggte Harleys mit volltätowierten Fettsäcken und verwitterten Bikerbräuten vorbei. Jeder zweite lässt den Motor aufheulen! Wrrumm! Wrrrrummmmm!! Mia öffnet die Augen – stets ein Moment, der bei allen Eltern schwer beschreibbare Wallungen an Wut gegen die Lärmer auslöst. Die Polizei gibt dem Konvoi freie Fahrt, New York muss warten.

Nach zehn Minuten gehe ich zu Plan B über: Zwei Blöcke nach Süden zum Beginn der West Street und wieder retour. 15 Minuten Fussmarsch, garniert mit Getöse und Gehupe. Einige Biker winken freundlich, glauben tatsächlich, ihr Gelärme würde hier herzlich aufgenommen werden. Doch feststeckende Autofahrer haben ihre Wagen verlassen und decken sie eher mit Kraftausdrücken ein. Ich habe mich, für meine Verhältnisse, eigentlich lange gehalten. Doch knapp vor dem Hauseingang – als gleich fünf der Vollidioten loshupen – platzt es aus mir raus: “FUCK YOU!!!!!!” Es war mehr Selbsttherapie, den zu hören ist der Wutausbruch ohnehin nicht.

Im Ernst: Wer genehmigt diesen Quatsch? Gut 30 Minuten dauerte die Durchfahrt. Lower Manhatten blieb im totalen Verkehrsinfarkt zurück. Liebe Biker, richtet euch in euren Suburbs eure eigenen 9/11-Memorials ein und fährt darum im Kreis. Thank you!