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Mit der dürftigen Ausgangslage durch die etwas chaotische Unterbringung konnte eine gelungene Erholung nur mehr durch die Vorzüge des Urlaubsortes selbst gerettet werden. Leider auch hier Fehlanzeige: Die Hamtpons sind unsere Sache nicht wirklich. Southampton ist eine Ansammlung an Millionenvillen in Strandnähe, einer Stars-and-Stripes-beflaggten, all american Main Street (die mit $12 teuren Eischreme-Tüten und der Serie in Luxusläden nicht wirklich ganz so all american ist…). Durchschnittseinkommen der Geldadel-Enklavianer: Hoch. Alter: Meist ebenso. Funfaktor: Gering. Multikulti-Index: Vernachlässigbar. Angeberzahl: Beachtlich (ich bin recht beeindruckt, als ich eine Typen sehe, der eine halbe Stunde in seinem Porsche hockt und die New York Times studiert…).

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Mia trinkt, Giuliani und Judith genießen die Hamptons

Heilfroh sind wir jedenfalls, unsere Freundin Ali und ihre Freude zu treffen, um die Tristesse etwas aufzumischen: Ali ist 1,82 Meter groß, eine in Paris aufgewachsene Senegalesin, Tochter Chiara ist Maxwells beste Freundinnen. Dass wir zufällig an der Mainstreet unsere Gastgeber treffen und unsere Freunde vorstellen können, bereitet besonderes Vergnügen. Die fröhlichen Stunden in einem der wenigen, eher bodenständigen Lokale namens “Barrister” kann nicht mal der antanzende Rudy Giuliani verpatzen.

Zwei Tische hinter uns nimmt er Platz, Judith an der Seite. Es hätte Zeiten gegeben, als Giuliani noch relevant war und ich so einen Zufall als journalistisches Jahrhundertglück erachtet hätte. Doch nach seinem Abstinken in den GOP-Primaries 2008 kräht keiner mehr nach ihm. Dennoch bereitet es mir ein Vergnügen, in einer hitzigen Debatte mit Alis Boyfriend, einem Rumänen, die Infrastruktur New Yorks als “Schande” zu bezeichnen. “Jedes mal wenn ich nach Bangkok fahre”, sage ich lautstark, sodass es Rudy auch hören kann, “denke ich, in der Zukunft angekommen zu sein!” Verglichen jedenfalls mit New Yorks desolatem Subway-Albtraum.

Immerhin ist der Strand an sich recht spektakulär, auch wenn der kühle Sommer den Atlantik bisher auf bloß mäßig einladende 18,8 º C “erwärmte”. Meist kommen wir erst nach 17 Uhr, weil sie dann gnädigerweise aufhören, $45 Parkgebühr einzuheben. Kein Tippfehler: $45. Die Herzlichkeit hält sich dann ebenfalls in Grenzen: Als Mia das Rettungsboot der Life Guards inspiziert als diese gerade zusammenpacken, herrscht mich einer der Redneck-Retter an: “Ist der Strand nicht groß genug für euch? Wir wollen hier zusammenpacken…” Excuse me? Fuck you, murmle ich bereits nun wirklich heimkehrwillig. Wenig Glück hat auch Mia: Sie will mit zwei sechsjährigen Mädchen spielen – doch die sind Prinzessinnen und vertreiben sie, als sie auf ihren Badetüchern ein paar Sandkörner hinterlässt.

Schließlich saßen wir im Wagen, näherten uns am Long Island Expressway wieder der City. Es sollte Tage dauern bis wir unser zerrüttetes Nervenkostüm wieder halbwegs beisammen hatten.