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Fliegen am 11. September, mit American Airlines, in einer Boeing 767. Auch eine Premiere für mich. Zur Erinnerung: Die entführen Todesjumbos waren allesamt 767, zwei von AA. Aber der Reihe nach: Der Tag – der achte Jahrestag des Jumbo-Terrors, um genau zu sein – beginnt, wie oft in meiner Zunft, mit Unerwartetem. Ein Auftrag, in L.A.! Besser wäre ich schon dort.

Regen peitscht gegen das Fenster, draußen sehe ich kurz beim Kaffee-Holen die Lichter der TV-Kameras, die gegenüber von Ground Zero das jährliche Ritual übertragen (Verlesen von 2.752 Opfernamen, vier Gedenkminuten – 2 x Krach ins WTC, 2 x Kollaps der Türme). Ich spule rasch mein Morgen-Arbeitsprogramm ab, buche den Flug, packe, stehe vor der Wohnungstüre. Klein-Mia hatte sich die Schuhe angezogen: Sie dachte, es geht zum Spielplatz. Noch beim Lift höre ich sie weinen. Furchtbar.

Als der A-Train am Weg zum JFK aus der Röhre kommt, gleich das nächste Drama. In der Voice Mail höre ich: Schüsse am Potomac River in D.C.? Coast Guard feuert auf ein Boot? Als ich zurückrufe gibt es bereits Entwarnung: Nur eine Übung! “Ja, wieder mal so ein typischer 11. September”, sage ich. Doch diesmal ist es bizarrer als sonst: Die Küstenwache hält ein Manöver ab, Minuten bevor Obamas Konvoi über eine der Brücken rollt. Und CNN knallt die Story raus, ohne offenbar bei der Guard nachzufragen! Hey Guys! Wir sind adrenaliert genug hier!

Der Flughafen ist menschenleer. Gespenstisch. In den riesigen Hallen des weitläufigen AA-Terminals, JFK Nr. 8, verlieren sich eine Handvoll Passagiere. Immer noch, acht Jahre später will offenbar niemand an diesem Tag fliegen. Beim Einchecken sehe ich, wie CNNs Kyra Phillips, verantwortlich für die Potomac-Panik, zurückrudert: “Wir hatten eben diese Info und sahen uns verpflichtet, die Seher zu informieren”, rudert sie zurück. Und wundert sich, warum die Aufregung so groß ist. Die Passagiere der 17 Flüge, die am Reagan-Airport in D.C. wegen der Ente angehalten wurden, sind sicher bereits glühende CNN-Fans. Ich bin froh, dass ich einsteige. AA versucht uns dennoch an diesem Tag aufzuheitern: Sie teilen Zugangscodes für den kostenlosen Internet-Zugang an Bord aus? Internet? Gratis? ich denke schon an Kaviar.

Also: Ich tippe diese Zeilen in 11.000 Meter Höhe irgendwo über Kansas. Am 11. 9., in einer AA-676. Und jetzt fühle ich mich doch etwas mulmig,