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Ich überquere am Weg zu Maxwells Schulbus und Mias Spielplätzen täglich die vierspurige Einfahrt zum Battery-Brooklyn-Tunnel. Die Nationalgarde habe ich dort schon lange nicht mehr gesehen. Doch jetzt kontrollierten sie mit umgehängten Maschinenpistolen und Tarnanzügen plötzlich Lieferwagen, Kleinlaster, Trucks. Auch sonst entdecke ich an fast jeder Straßenecke Cops. Terror-Alarm in New York! Doch es war diesmal eine eher stille Mobilisierung – und sie ist symbolisch für den neuen Umgang mit Terrorgefahren unter Obama.

Ganz ohne apokalyptische Doomsday-Geschwafel der US-Regierung oder Anhebung des Alarms auf “orange”, “gelb”, “blutrot”, “giftgrün” (oder was auch immer) war auf den Coup des FBI reagiert worden, als Agenten diesmal offenbar sogar eine echte Terrorzelle ausgehoben hatten. Früher unterwanderten sie lieber halbwüchsige Teenagerbanden, die im Alk- oder Sonstwas-Rausch wirre Angriffspläne ersannen – und die dann bei der Massenverhaftung stets als “SCHLIMMER! ALS! 9/11!!” etikettiert worden waren (erinnern wir uns an die Spinner, die Benzinleitungen nahe des JFK-Airports anzünden und dadurch “Tausende“ hatten töten wollen, wie Bushs Angstmaschinerie uns damals weiß machen wollte).

Und wie die alte Regierung offen mit der Terror-Angst Politik machte, enthüllte Ex-Minister Tom Ridge (bevor er das meiste wieder zurücknahm…). Jetzt war der afghanisch-stämmige Najibullah Zazi (23), der offenbar FBI-Informanten auffiel, mit einem „U-Haul“-Truck von Denver nach Queens getuckert, traf sich dort mit Kumpanen. Mehr hätten wir erfahren, wenn das NYPD die Sache nicht fast vermasselt hätte: Sie hatten einen Imam als Verbindungsmann umgarnt, der jedoch prompt die Zelle warnte.

Früh musste daher zugeschlagen werden, wenig an Details über die Terror-Pläne ist deshalb bekannt. Immerhin: It´s the real deal! Zazi besuchte ein Al-Kaida-Trainingscamp in Pakistan, hatte Bombenbaupläne auf seinen Laptop. Nach drei Verhaftungen sollen 24 weitere Verdächtige unter Beobachtung stehen. Doch die Ziele? U-Bahn? Stadien? Hotels? Sogar ein nationaler Polizei-Alarm wurde ausgerufen: Ohne Details ein eher hilfloses Unterfangen, ruinös für Gemeinden noch dazu, die durch die Rezession ohnehin fast pleite sind.

Vielleicht auch deshalb war die Nationalgarde heute früh vor der Tunneleinfahrt bereits wieder abgezogen. Ein mulmiges Gefühl bleibt. Aber auch die Erkenntnis, dass aus diesem kein politisches Kapital geschlagen wird.