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Am Freitag, 15 Uhr Ostküstenzeit, werde ich auf meinem iPhone eine datenintensive Applikation aufdrehen, am ehesten YouTube. Estee auch. Wir protestieren gegen den jahrelangen Betrug durch den Telekomgiganten at&t. Es ist eine provokante, konzertierte Aktion: “Newsweek”-Blogger Daniel Lyons rief alle iPhone-Besitzer der USA, immerhin neun Millionen, dazu auf, gleichzeitig, eben am Freitag Nachmittag, Daten abzusaugen. Das Ziel: at&t´s Netz zum Kollaps zu bringen.

Es ist offenbar die erste virtuelle Handy-Demo. Den Konsumenten platzt endgütig der Kragen: Das iPhone wurde für den Anbieter zur Goldgrube. Das Service jedoch ist unter jeder Kritik. Und anstatt, wie versprochen, an einer Verbesserung zu arbeiten, wird es mit jeder neuen iPhone-Generation schlimmer. Egal wie viele Empfangsbars am Display erscheinen, welche 3G- oder S-(für “Speed”…)-Icons leuchten: Websites bauen sich oft erst nach Minuten auf, beim Emailempfang müssen konstant “Can´t connect to server”-Errors weggeklickt werden, das plötzliche Abschnappen der Telefonate wirkt wegen der miesen Qualität oft fast wie eine Erleichterung. Voicemails kommen mitunter am nächsten Tag an (perfekt für einen Tageszeitungsjournalisten…).

Kürzlich schickte mir at&t, ich war gerade im Urlaub in Miami, 240 SMS-Alerts über Breaking News der letzten drei Monate (ich hatte mich schon gewundert, wo die blieben…). Die Flut an SMS wirkte wie eine Zeitreise…

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3G-Kartenvergleich: Empfangsoasen…

Doch seine Millionen Kunden zu verarschen, hielt at&t locker aus, vor allem, da das iPhone, immer noch das smarteste Smartphone am Markt, ja nur via at&t läuft (außer den gehackten). Dann traf jedoch Konkurrent Verizon präzise in die Magengrube: Er verglich per US-Landkarte die Ausdehnung von Verizons 3G-Netz mit dem von at&t. Solid mit rot bedeckt scheinen da die 50 US-Bundesstaaten von Verizon bedient, außer ein paar weißen Flecken in den Rockies oder den Wüsten des Westens. at&t´s Karte? Genau umgekehrt: Kleine Empfangsinseln, der Rest endlose Weiten eines 3G-Nirvanas.

at&t klagte, startete eine Gegenoffensive: at&t ist besser, schneller, weitverbreiteter, verlässlicher. Nämlich. Und überhaupt. Fast wirkt es, als hätten sie ein paar Ex-Bush-Leute für die Großoffensive an Dreistigkeit angeworben. Reality ist natürlich so ein lästiges Ding: at&t´s tolle Performance ist ungefähr so real wie die WMDs im Irak.

Und die Millionen, die die Werbeoffensive kostet, sollten sie lieber in den Bau neuer Sendemasten investieren. Also deshalb der Protest der iPhoner. Prompt verdeutlichte auch die US-Behörde FCC, auf welcher Seite sie stehen. Der Protest sei „unverantwortlich“, so die Reaktion: Mir muss wohl entgangen sein, als die FCC at&t unter Druck setzte, seinen Kunden ein angemessenes Service zu bieten.