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Amerika rüstet nach dem Detroit-Bomberdebakel auf den Airports auf: Bis Ende des Jahres sollen 500 Nackt-Scanner in Betrieb sein. Heute gibt es 40 Geräte auf 19 US-Flughäfen. Ich teste eine der Maschinen bei einer Demonstration der Flughafen-Sicherheitsbehörde TSA. Gleich hinter dem “Reagan Airport” in D.C. baute die TSA ein gigantisches Testzentrum. In der Halle stehen Körper- und Gepäckscanner, Testgeräte, Computer. Geld spielt offenbar keine Rolle.


Beim Test des Nacktscanners: „Schauen sie in Google nach…“

Die Ergebnisse beim Schutz der Passagiere sind dabei stets fragwürdig, wie die groteske Pannenserie inmitten der Terrorpanik nach dem Detroit-Schrecken illustrierte. Darunter: 10.000 Menschen zusammengepfercht im Terminal C des Newark-Airport, nachdem jemand an den Schleusen vorbei zum Gate marschierte. Oder die mit Honig gefüllte Trinkflasche, die einen Kalifornien-Airport lahmlegte.

Ich stehe vor zwei blauen Boxen, hergestellt von der Firma “Rapiscan Systems”. Auf einer elektronischen Anzeige vermitteln fröhliche Animationen die Instruktionen. Vereinfacht: Gehe hinein, dreht dich nach links, Hände über den Kopf. Mich erinnert der Kasten eher an Passfoto-Automaten in U-Bahn-Passagen. Die Technologie heißt “Backscatter”: Von beiden Seiten werden niedrig dosierte Röntgen-Strahlen auf meinen Körper geschleudert. Eine dreidimensionale Rekonstruktion wird entworfen. Unter der Kleidung versteckte Bomben oder Waffen sollen aufgestöbert werden. Das Gesundheitsrisiko ist gering: 0,005 Millirem an Strahlung bekomme ich ab, ein Millirem pro Jahr gilt in den USA als unbedenklich.

Es ist fast gespenstisch: ich höre nichts, spüre nichts, sehe nichts. Ich stehe da mit meinen Armen über dem Kopf. Der unheimliche Scanner hat mich längst durchleuchtet. “Wie lange wollen Sie noch hier bleiben”, scherzt die rundliche TSA-Agentin auf der anderen Seite. Ich lasse noch schnell ein Foto machen. Die Behörde hatte bei der Demo zwar Selbsttests der Reporter untersagt – doch lückenlos ist die Kontrolle offenbar selbst in ihrem eigenen Testzentrum nicht.

Amerika ist nicht umsonst das Geburtsland der PR: Zur Ablenkung eigener Versäumnissen geht die TSA jetzt in die Offensive, schafft massenhaft neue Geräte an. Experten warnen vergebens: Die Nacktscanner hätten das PETN in der Untergatte des Detroit-Bombers Abdulmutallab nicht entdeckt. Einer der Gründe: Die Verletzung der Privatsphäre ist für die Amerikaner die größte Sorge! Dutzende Klagen gegen die Nacktscanner laufen. Deshalb wird durch einen Algorithmus die Datenmenge absichtlich entschärft, der Schambereich ist verschwommen, das Gesicht ebenso. Das soll sich jetzt im Zeitalter explosiver Undies natürlich ändern, so Homeland-Security-Chefin Napolitano. Womit die Debatte wieder von vorne losgeht.

Trotz des Detroit-Debakels zeigen die TSA-Leute beim Journalistenbesuch wenig Zerknirschtheit. Auf meine Frage, ob sie Briefing-Unterlagen über technische Details der Geräte verfügbar haben, klärt mich ein Schlaumeier auf: „Google ist eine gute Quelle bei solchen Recherchen…“ Ja, warum gebe ich nicht einfach die Schlüsselwärter ein: „TSA“, „Versagen“, „Dilettantismus“ und „Terror“?