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Mit der fulminanten, 71 Minuten langen Kongressrede wollte Obama seine zuletzt arg stotternde Präsidentschaft in Schwung bringen. Er portraitierte sich selbst als Außenseiter im zynischen und dysfunktionalem Washington-Macht-Hickhack – und als Kämpfer für die darbende Mittelklasse. Er gab zu, dass er seine Wähler enttäuscht hatte und der versprochene „Change“ nicht schnell genug kam. Er kritisierte seine eigenen „Dems“, die im Finale der Gesundheitsreform mehr Courage zeigen sollten. Und er wetterte gegen die totale Blockade-Politik der Republikaner. Er lud sie neuerlich zur Kooperation auf, was prompt von liberalen Gruppen als „völlig naiv“ gegeißelt wurde. Er sei „der letzten Mann in Washington, der an überparteiliche Kooperation glaubt“, so die HuffPost ironisch.

Dazu wurden viele seiner Vorschläge zur Ankurbelung der Wirtschaft als zu zögerlich kritisiert: Die vorgeschlagenen $30 Mrd. für Kredite an Kleinbetriebe seien viel zu wenig, hieß es. Dennoch: Obama hat mit der fulminanten Ruckrede, bei der er auch – überraschend entspannt – beißenden Humor zeigte, wieder Flagge gezeigt. Erste Reaktionen waren durchaus positiv: 83 % der Zuseher stimmten mit Obamas Zielen und Ideen überein, so erste Umfragen. Doch jetzt folgt die größte Herausforderungen: Obama muss endlich eine effektive, politische Strategie finden, die seiner großen Rhetorik gerecht wird.