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Ich fahre zu den möglichen Frontlinien der ölpest. “Dauphin Island” vor der Alabama-Küste ist eines der wahrscheinlochen „Ground Zeros“. Es ist eine der kleinen Barriere-Sandinseln im Golf, wenn auch mit einer gigantischen Autobrücke komplett erschlossen und zersiedelt. Gerade errichten Nationalgarde und Lokalbehörden Wälle gegen die herannahe Ölpest. Ich frage die Soldaten, wer mir Auskunft über die Arbeiten geben kann. Ich werde auf einen Captain Matt Kelley verwiesen. Dann ruft mir der Gardist nach: „Aber pass auf, er ist gay“. Soviel über „Don´t ask, don´t tell…“

Auf der weitgehend wellenfreien Rückseite werden Gitterelemente, die wie rechteckige Mistkübel aussehen, zu einer Schutzmauer verbunden. “Sonst bauen wir damit Behelfswände”, erzählt mir dann Kelley: “Der Einsatz gegen die Ölpest ist eine Premiere”. In den Hohlraum soll die Chemikalie “Polymer” gefüllt werden, die das Öl zersetzt: Die übrig bleibende, gummiähnliche Masse könne dann entsorgt werden.

Warum nur auf einer Seite der Insel? Es gelte, die mit Gras bewachsenen Dünen zu beschützen, die als Vogelbrutstätte frequentiert werden – und die schwere Brandung würde den Wall auf der dem Golf zugewandten Strand wegspülen, erklärt Kelly. Und nüchtern: “Wir schützen, was wir können…”

Marty Simons sitzt in ihrem, auf Stelzen gebauten Haus, blickt hinaus auf die rollende Brandung. “Ich habe erste Reihe fußfrei”, versucht sie sich angesichts der kurz bevorstehenden Katastrophe in Galgenhumor: “Heute früh war der Gestank kaum auszuhalten”, sagt sie. In wenigen Stunden könnte die Brühe über den Strand hereinbrechen. Bagger türmen Schutzwälle aus Sand auf. Es wirkt recht hilflos.

Den ganzen Sommer über hatte sie das Haus an Urlauber bereits vermietet gehabt, jetzt hagelt es Absagen. Der Schaden: 25.000 Dollar. “Heuer”, setzt sie nach: “Doch was ist nächstes Jahr?” Seit dem Hauskauf 2007 habe sie drei Hurrikans überstanden, sagt sie, “doch jetzt überlegte ich mir erstmals ernsthaft, das alles aufzugeben”. Dass einmal etwas passieren kann hat sie sich des öfteren gedacht: Besonders in klaren Nächten, wenn am Horizont die Lichter von 30 Öl-Plattformen zu sehen sind.